Funktionen von enzyklopädischem Schrifttum

     
 

Was leistet enzyklopädisches Zusammenstellen von Wissen?

What does the encyclopaedic compilation of knowledge achieve?

Was für eine Funktion hat eine Enzyklopädie? Die Antwort ›Wissen speichern‹ ist zu vordergründig. Enzyklopädien oft oft andere Funktionen, als wir ihnen spontan zuschreiben. ›Abgabe von Information‹ ist häufig nicht ihre dominante Funktion.

Die im folgenden aufgelisteten Typen von Funktionen können zu jeder Zeit auftreten, aber einzelne gedeihen in besonderen historischen Situationen besonders gut. Mit einer einzelnen Wissenssammlung können verschiedene Funktionen abgedeckt werden. Die Reihe ist nicht abgeschlossen.

Überblick:

(A) Enzyklopädien dienen der leisure class zur Unterhaltung – Encyclopaedias as an entertainment for the leisure class

(B) Sammeln um des Habens willen – Collecting for the sake of having

(C) Enzyklopädie als Ersatz für eine unzugängliche Bibliothek – Encyclopaedia as a substitute for an inaccessible library

(D) Ordnen und Klassifizieren als geistiger Schutz gegen Kontingenz – Order and classification as a mental protection against contingency

(E) Überblick und Ordnung schaffen – Providing an overview, putting things in order

(F) Artikel einer Enzyklopädie verhelfen Dingen zu hoher Wertschätzung – Things / persons earn high esteem through entries in an encyclopedia

(G) Artikel einer Enzyklopädie dienen der Bestätigung von Lebensweisheiten – Encyclopedic entries serve to confirm conventional wisdom.

(H) Die Kenntnis der Dinge dient zum Aufweis der Güte Gottes – The knowledge of things as a signal for God's loving-kindness

(I) Wissen dient zur (Wieder-)Gewinnung des Heils des Menschen – Knowledge as a (re–)attaining of the salvation of mankind

(J) Wissensbestände werden zwecks Indoktrinierung bereitgestellt – The providing of knowledge as a means of indoctrination

(K) Indienstnahme des enzyklopädischen Wissens durch eine übergeordnete Wissenschaft (ancilla theologiae-Funktion)

(L) Wissen dient dem sozialen Aufstieg – Knowledge as a means of social advancement

(M) Anhand eines Wissensbestands vergewissert sich eine Kultur stolz ihrer selbst – Cultural self-assurance through knowledge

(N) Durch Zusammenstellung von Wissen Einsicht in Unstimmigkeiten gewinnen – Spotting inconsistencies through the compilation of knowledge

(O) Popularisierung der wissenschaftlichen Ergebnisse für die Förderung der allgemeinen Bildung

Verfasst von P.Michel, Oktober 03

 
     
     
 

(A) Enzyklopädien dienen der leisure class zur Unterhaltung – Encyclopaedias as an entertainment for the leisure class

Aulus Gellius (in den hundertfünfziger Jahren n. Chr.) hat auf seinem attischen Landgut nachts exzerpiert – daher der Titel »Noctes atticae« – und stellt die Fundstücke zusammen »zum Meinugsaustausch unter geistigen Gesinnungsgenossen«, »zur Feier geistigen Ergötzens«, als eine Art von ›Infotainment‹. Freilich geht es dabei immer auch darum, sich vor den Vorwurf schimpflicher, roher Unwissenheit zu bewahren«.

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(B) Sammeln um des Habens willen – Collecting for the sake of having

Das Ideal des Bildung aus der Polis-Zeit stellt sich dar als Diskussion auf dem Marktplatz, oder im Schatten einer Platane, oder beim Gastmahl – im Hellenismus dagegen gehr es um das Tradieren von Wissen, es werden Bücher kopiert und kommentiert. Schreibtischgelehrsamkeit in Bibliotheken. Der Freund Alexanders des Großen und sich in Ägypten installierende Ptolmaios I. (»Soter«, ca. 376 – ca. 283) gründet in Alexandria die Bibliothek, die nach Schätzungen 5 bis 700'000 Buchrollen umfasst hat. Bibliothekare leben in einer klosterartigen Gemeinschaft, staatlich bestallt zwecks freier Forschung. Der Zyniker Simon nennt sie spöttisch »gemästete Hühner im Korb«; der Vielschreiber Didymos von Alexandrien bekommt den Übernamen »Eisendarm«.

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Nietzsche nennt diesen Typ »alexandrinisch«; damit meint er eklektisch-positivistisch-museal; der alexandrinische Mensch, der im Grunde Bibliothekar und Korrektor ist und an Bücherstaub und Druckfehlern elend erblindet.

 
     
 

(C) Enzyklopädie als Ersatz für eine unzugängliche Bibliothek – Encyclopaedia as a substitute for an inaccessible library

Es gibt Werke, die eine ganze Bibliothek komprimieren und auf diese Weise über alles Notwendige Auskunft gaben: Recht und Oekonomie, Landvermessung, Architektur und Maschinenbau, Weidwerk, Hortikultur, Veterinärmedizin u.a.m., sie enthielten Kochbücher und sogar Traktate über Seidenraupenzucht. Beispiele: Colerus: »Oeconomia rvralis et Domestica«, 1645; Franciscus Philippus Florinus, »Oeconomvs Prvdens oder Klug= und Rechts=verständiger Haus-Vatter«, 1705.

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(D) Ordnen und Klassifizieren als geistiger Schutz gegen Kontingenz – Order and classification as a mental protection against contingency

Das Zufällige ist unerträglich. Goethe spricht einmal von der »millionenfachen Hydra der Empirie« (Brief an Schiller vom 16./17. August 1797).

Ordnen ist eine Kontingenzbewältigungsstrategie. Aber die Entropie holt uns immer weider ein!

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(E) Überblick und Ordnung schaffen – Providing an overview, putting things in order

Bereits im 16. Jh. ist das Wissen so gross und heterogen geworden und wurde nun durch den Buchdruck in mehr und besser korrigierten Büchern verbreitet, dass das Bedürfnis nach einer methodischen Disposition aufkam. Konrad Gessner (1516–1565) unternimmt es, eine umfängliche und systematische Bestandesaufnahme der gelehrten Bücher zu machen. (»Bibliotheca universalis seu catalogus omnium scriptorum in tribus linguis, græca, latina et hebraica, exstantium«, 4 Bände, Zürich 1545–55).

Ordnen ist eine Strategie zur Reduktion von Komplexität.

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(F) Artikel einer Enzyklopädie verhelfen Dingen zu hoher Wertschätzung – Things / persons earn high esteem through entries in an encyclopedia

Nach der Lektüre eines Artikels über Spiegel kann ich zwar keinen Spiegel herstellen (die Insider-Hints der Manufaktur werden in der Enzyklopädie nicht erwähnt), aber ich habe sehr viel Ehrfurcht vor den Handwerkern und ich ästimiere das Produkt ›Spiegel‹ höher als vor der Lektüre des Artikels.

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(G) Artikel einer Enzyklopädie dienen der Bestätigung von Lebensweisheiten – Encyclopedic entries serve to confirm conventional wisdom.

Nach der Lektüre der Biographie von Franz Schubert fühle ich die Weisheit besätigt, dass das Genie in aller Regel im bürgerlichen Leben unglücklich ist, dass der wahre Künstler randständig ist (vgl. Thomas Mann »Tonio Kröger«) oder bei Napoleon, dass die großen Feldherren sich überschätzen, dass ihnen die Macht in den Kopf steigt.

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(H) Die Kenntnis der Dinge dient zum Aufweis der Güte Gottes – The knowledge of things as a signal for God's loving-kindness

Konrad Gessner, »Historia Animalium« 1551 schreibt in der Epistola nuncupatoria: Dignitas et nobilitas animalium historiae … ad contemplationem et admirationem operum Dei. – J. J. Scheuchzers »PHYSICA SACRA« steht in dieser Tradition. Aus jedem Werk der Schöpfung weist der Enzyklopädist die Allmacht / Weisheit / Güte des HErrn auf.

Ad laudem et gloriam Domini nostri ac Redemptoris omnium pertinet eius magnalia operaque mirabilia diligenter perscrutari nos uelle et perscrutando ea fidelium auribus commendare, ut eo amplius creatura in Creatoris sui amorem exardescat, quo eum mirabiliora et magis inaudita ineffabiliter condidisse recognouerit. (Lambert von St. Omer, »Liber Floridus«, fol.3) Es dient zum Lob und Preis unseres HErrn und Erlösers Aller, seine großen Wunder und Werke sorgfältig erforschen zu wollen und sie im Erforschen den Ohren der Gläubigen zu empfehlen, damit das Geschöpf umso mehr in Liebe zu seinem Schöpfer entbrenne, je mehr es erkennt, dass Er noch Wunderbareres und Unerhörteres auf unaussprechliche Weise geschaffen hat.
Certus sum enim et confido in Domino, hoc ipsum opus non solum mihi sed et omni studiose et affectuose legenti non parum utilitatis afferre, non solum ad Deum per se et per creaturas uisibiles et inui-sibiles cognoscendum ac per hoc diligendum, et cor suum in deuotione caritatis multorum sanctorum ignitis sententiis et exemplis excitandum et attendendum, uerum etiam ad predicandum, ad legen-dum et ad disputandum, ad soluendum, necnon et generaliter ad unumquodque fere materie genus artis cuiuslibet explicandum.( VINZENZ VON BEAUVAIS O.P., † 1264, »Speculum majus«, Libellus totius operis apologeticus, Cap. 3) Ich bin sicher und vertraue auf den Herrn, dass dieses Werk [das »Speculum majus«] nicht nur mir, sondern jedem eifigen und strebenden Leser nicht wenig Nutzen bringt, nicht allein um Gott sowohl durch ihn selbst als auch ver-mittels der sichtbaren und unsichtbaren Kreaturen zu erkennen und dadurch zu lieben, und um sein Herz durch die glühenden Sinnsprüche und Exempel vieler Heiliger zu wecken und zu erheben, sondern auch um zu predigen, zu lesen und zu disputieren, Probleme zu lösen wie auch überhaupt fast jeden beliebigen Gegenstand irgendeiner Wissenschaft zu erklären.
Cum omne desiderii compos, et maxime creatura rationalis, appetat suam perfectionem; summa vero et finalis perfectio hominis sit in congnicione unius infallibilis veri, et in amore incommutabilis boni, quod est nosse et amare Creatorem suum; et medium precipue inducens ad congnoscendum et amandum Creatorem sit congnicio et consideracio Creationis; unde illud [ad] Romanos Iš : Invisibilia Dei a creatura mundi per ea que facta sunt intellecta conspiciuntur, etc. …, et Sapientiae XIIIš: a magnitudine speciei … etc. Sed hec, non tantum ad cognicionem, verum etiam conferunt ad amorem Condito-ris, juxta illud psalmum: Delectasti me in factura tua, quasi dice-ret: delectationem mihi prestitisti in te ex consideracione tue facture. (»Compendium philosophiæ«, Prolog [Ed. Michel de Boüard, Une nouvelle Encyclopédie médiévale: Le Compendium Philosophiae, Paris 1936, S. 121]). Da alles, was mit Begehrungsvermögen ausgestattet ist, und am meisten das vernunftbegabte Geschöpf, seine Vervollkommnung anstrebt; da die höchste und endgültige Vervollkommnung des Menschen in der Erkenntnis des einen untrüglichen Wahren und in der Liebe zum unwandelbaren Guten besteht – das heisst: seinen Schöpfer erkennen und lieben – und da die Erforschung und Betrachtung der Schöpfung das geeignetste Mittel ist, welches dazu führt, den Schöpfer zu erkennen und zu lieben, daher [steht] Röm 1,20: »Das Unsichtbare an Gott wird seit Erschaffung der Welt an den erschaffenen Dingen erkennbar und sichtbar « usw. und Sapientia 13,5: »von der Größe {und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf den Schöpfer schließen}« usw. Dies aber trägt nicht nur zur Erkenntnis, sondern auch zur Liebe des Schöpfers bei, gemäß dem Psalm 91,5 [Vg.]: »Du hast mich durch Deine Schöpfung froh gemacht«, als würde gesagt: Freude über Dich hast Du mir verliehen aus der Betrachtung Deiner Schöpfung

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(I) Wissen dient zur (Wieder-)Gewinnung des Heils des Menschen – Knowledge as a (re-)attaining of the salvation of mankind

Ex quo colligi potest […] quod videlicet omnium humanarum actionum ad hunc finem con-currit intentio, ut vel divinæ imaginis similitudo in nobis restau-retur, vel huius vitae necessitudini consulatur […]. Duo vero sunt quæ divinam in homine similitudinem reparant, id est speculatio veritatis et virtutis exercitum. Quia in hoc homo similis Deo est, quod sapiens et justus est; sed iste mutabiliter, ille immutabiliter et sapiens et justus est. (Hugo von Sankt Viktor, »Didascalicon« I, 7/8) Hieraus kann gefolgert werden, dass der Endzweck aller menschlichen Handlungen darauf hinzielt, ent-weder die Ähnlichkeit mit dem göttlichen Bild in uns wiederherzustellen, oder sich um die Notwendig-keit dieses Lebens zu kümmern. […]. Zwei Dinge sind es, welche im Menschen die Gottähnlichkeit wiederherstel-len, das Forschen nach Wahrheit und die Ausübung der Tugend. Denn der Mensch ist Gott darin ähnlich, dass er weise und gerecht ist. Der Mensch freilich ist auf veränderliche Art weise und gerecht, Gott auf unveränderliche.
Hoc ergo omnes artes agunt, hoc intendunt, ut divina similitudo in nobis reparetur […] cui quanto magis conformamur, tanto magis sapimus. Tunc enim in nos incipit relucere, quod in ejus ratione semper fuit; quod quia in nobis transit, apud illum incommutabile consistit. (Hugo von Sankt Viktor, »Didascalicon« II, 1) Damit beschäftigen sich alle Künste / Wissen-schaften, dies erstreben sie, dass sie die Eben-bildlichkeit Gottes in uns wieder herstellen […]. Je ähnlicher wir derselben werden, um so weiser sind wir. Dann nämlich beginnt das wieder zu in uns erstrahlen, was in seinem Geist immer existiert hat; denn was bei uns eine vorüber-gehende Erscheinung ist, besteht bei Gott unver-änderlich fort.

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(J) Wissensbestände werden zwecks Indoktrinierung bereitgestellt – The providing of knowledge as a means of indoctrination

Die Sophisten boten die Rhetorik und enzyklopädische Sachkenntnisse an, um sich mit rationalen Argumenten in der Volksversammlung Gehör zu verschaffen: Beredsamkeit im Dienst staatsmännischer Ziele. Sophistik ist nicht nur Bezeichnung einer Epoche, sondern auch Begriff für ein Phänomen: Mittelalterliche und barocke Prediger verwenden enzyklopädisches wissen genauso ›sophistisch‹. Vgl. in der Liste: Thomas von Cantimpré, Petrus Berchorius, Vinzenz von Beauvais, Andreas Hondorff, Josephus Lange, Tobias Lohner, Laurentius Beyerlinck.

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(K) Indienstnahme des enzyklopädischen Wissens durch eine übergeordnete Wissenschaft (ancilla theologiae-Funktion)

omnes artes naturales divinæ scientiæ famulantur, si congrua distributione ad cardinem suum und procedunt referantur. (Conrad von Hirsau, Accessus ad auctores, p.123, Z.1595-99.) Alle weltlichen Wissenschaften dienen der göttlichen Wissenschaft, falls sie mit einer stimmigen Ausrichtung auf ihren Hauptpunkt, von dem sie hervorgehen, bezogen werden.

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(L) Wissen dient dem sozialen Aufstieg – Knowledge as a means of social advancement

Ablösung des altadligen Establishments durch eine aufstrebende, geistig bewegliche Elite; soziale Umschichtung im Griechenland des 5. Jahrhunderts v.u.Z. (Aufstieg der Polis): Die Sophisten treten auf den Plan und lehren Rhetorik auf der Basis von Allgemeinwissen.
Im 17. Jahrhundert: Aufstieg der Geistlichen, Lehrer, Juristen, Cameralisten, Beamten, welche alle die de jure mächtigen Adligen durch das Know-how in den Verwaltungsgeschäften de facto an Macht überflügeln.
Das Konversationslexikon trägt seinen Namen daher, weil es Gewandtheit in der Unterhaltung gibt und damit Feinheit im Umgang; seine Aufgabe ist es, Unstudierten den Eingang in gebildete Circel zu gewähren (nach K. G. Löbel’s Conversationslexikon in 6 Bänden 1796–1808).

Um in der Gesellschaft mitreden zu können bedarf der Mann von gutem Ton dringend zweier Werke: ein Fremdwörterbuch und ein gutes Conversationslexikon. Freilich ist die Anschaffung etwas theuer. [Aber die Ratenzahlung in Lieferungen machen die Finanzierung weniger fühlbar. Brockhaus und Meyer werden empfohlen.] Sobald irgend ein neues Schlagwort oder Citat auf der Bild-Fläche der Tagesunterhaltung auftaucht, sei es durch eine große politische Rede, durch den Titel eines neuen Theaterstücks, durch eine sensationelle Erfindung oder originelle Mode, suche man alsbald in obigem Werke Klarheit zu schaffen, was jene Worte oder Bezeichnung bedeuten und woher sie stammen, damit man, in Gesellschaft darüber befragt, die Antwort in Bereitschaft habe. (»Lehrbuch der guten Lebensart« vom Jahre 1888)

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(M) Anhand eines Wissensbestands vergewissert sich eine Kultur stolz ihrer selbst – Cultural self-assurance through knowledge

Wissen als Selbstdarstellung einer Kultur oder einer Gesellschaftsklasse, ein stolzer Ausweis dessen, was eine Gemeinschaft weiss, und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht (Wagner in Goethes »Faust«, Vers 573).

In der dritten Ausgabe der Grossen Sovjetischen Enzyklopädie müssen zur Darstellung kommen: die welthistorischen Erfolge auf dem Gebiet der Ökonomie, Kultur und der Wissenschaft der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder, errungen unter Ausnützung der Vorzüge des sozialistischen Systems, die grossen Werke der Revolution und der Arbeit der Völker der UdSSR, die führende und richtungweisende Tätigkeit der KPdSU

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(N) Durch Zusammenstellung von Wissen Einsicht in Unstimmigkeiten gewinnen – Spotting inconsistencies through the compilation of knowledge

Der »Dictionnaire« des Pierre Bayle gibt sich formal als Enzyklopädie (genau so wie sein gehasster Vorläufer des Abbé Moréri) – aber genau besehen ist er eine Anti-Enzyklopädie, in der man eben gerade keine Auskunft findet, sondern in den Strudel des Skeptizismus hineingesogen wird.

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(O) Popularisierung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse für die Befriedigung und Förderung der allgemeinen Bildung

Vorrede, gezeichnet "Redaktion und Verlagshandlung" zum 15. Band der 11. Auflage des »Brockhaus«, 1868:

Das Conversations-Lexikon [hat] die Flüssigmachung und Popularisierung der wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Ergebnisse, nicht für die die geschäftliche Praxis, sondern für die Befriedigung und Förderung der allgemeinen Bildung zur Aufgabe. [...] Denn jene allgemeine Bildung ist nichts Geringeres als die humane Bildung, welche das Individuum innerhalb des Culturlebens seiner Zeit erlangt, die für ihren Ausgangspunkt die Berufsbildung voraussetzt und, wie den intellectuellen so den moralischen Menschen umfassend, als der Quellpunkt socialer und nationaler Kraft und Entwicklung betrachtet werden muß.[...] Den Kreis der Ideen und Thatsachen, wie er sich für den einzelnen unabsehbar in Geist, Geschichte und Natur auseinanderlegt, in begrenztem Rahmen, gleichsam als Mikrokosmos, zur Anschauung zu bringen, nicht zur Lösung eines wissenschaftlichen Problems oder zur Uebung einer Kunstfertigkeit, sondern um den Menschen als solchen mit der Welt, die über seinen alltäglichen Horizont hinausliegt, bekannt zu machen, indem ihm die Einsicht in den Begriff und den organischen Zusammenhang der Dinge, sowie die Uebersicht über das Ganze, wenn nicht erschlossen, so doch erleichtert wird. (Vergleiche folgende Brockhauszitate [www])

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