Graphische Realisation

     
 

Vom Bild im Kopf zum Bild auf dem Papier

Schließlich müssen die mimetischen Vorbilder bzw. die Bildideen, sofern das Bild nicht durch eine Maschine erzeugt wird, durch Graphiker/Innen realisiert werden, d.h. gezeichnet, gedruckt.

Das ist nicht so trivial, wie sich das der moderne Betrachter vorstellen mag: abknipsen und dann auf dem Bildschirm angucken. — Zu beachten ist

die technische Dimension: Druckverfahren;

die didaktische Dimension (Blickführung u.ä.);

die ästhetische Dimension;

die historische Dimension.

nach oben

 
     
 

Präzision der Darstellung

Dass ein Bild ›naturgetreu‹ sein soll, ist ein Thema seit jeher. (Bei diagrammatischen Bildern ergeben sich andere Probleme.)

Kupfer von Matthäus Merian d. Ä. (1593–1650) in: Joh. Ludov. Gottfridi Historische Chronica, Oder Beschreibung der Fürnemsten Geschichten/ so sich von Anfang der Welt/ biß auff das Jahr Christi 1619. zugetragen … [Frankfurt am Main]: Merian 1657, S. 186.
> http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/content/pageview/1306766
> http://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/image/1605931918/265/

Parrhasios soll sich mit Zeuxis in einen Wettstreit eingelassen haben; dieser habe gemalte Trauben so erfolgreich dargeboten, dass die Vögel zum Schauplatz herbeiflogen; Parrhasios aber habe einen so naturgetreu gemalten leinenen Vorhang [auf einem Bild] angebracht, dass der auf das Urteil der Vögel stolze Zeuxis verlangte, man solle doch endlich den Vorhang wegnehmen und das Bild zeigen; als er seinen Irrtum einsah, habe er ihm in aufrichtiger Beschämung den Preis zuerkannt, weil er selbst zwar die Vögel, Parrhasios aber ihn als Künstler habe täuschen können.

Plinius, naturalis historia XXXV, xxxvi, 65: traditur et, cum ille [Parrhasios] detulisset uvas pictas tanto successu, ut in scaenam aves advolarent, ipse detulisse linteum pictum ita veritate repraesentata, ut Zeuxis alitum iudicio tumens flagitaret tandem remoto linteo ostendi picturam atque intellecto errore concederet palmam ingenuo pudore, quoniam ipse volucres fefellisset, Parrhasius autem se artificem.

Mimetisches Treue ist nicht zwingend ein Erfordernis. Um der Verdeutlichung willen vereinfachen / schematisieren / stilisieren die Graphiker das Vorbild mitunter.

(Es geht hier nicht um die Visualisierung eines abstrakten Typus wie z.B. ›das Wirbeltiersekelett‹, ›Blütenstand der Korbblütler‹, sondern um die Abbildung eines Unikats.)

Die Figur aus dem Book of Kells (fol. 130 recto) wird vereinfacht umgezeichnet, um die Linienführung herauszustellen bei Peter Meyer, Europäische Kunstgeschichte, Zürich 1947; 3. Auflage 1969, Band I, S. 149.

nach oben

 
     
 

Druckverfahren

Stichwortartig:

  • Hochdruck: Holzschnitt, Holzstich (Thomas Bewick † 1828); Autotypie (1882 patentiert)
  • Tiefdruck: Radierung, Kupferstich (engl. etching, intaglio), Aquatinta
  • Flachdruck: Lithographie (engl. planographic printing; Senefelder ab 1818)

Holzschnitte und Holzstiche und Autotypie-Clichées erlauben die Einbindung in den (ebenfalls mit Lettern als Hochdruck realisierten) Text.

Beim Tiefdruck und bei der Lithographie aber ist das nicht möglich; es braucht zwei Druckvorgänge auf dem selben Blatt, oder dann werden die Bilder dem Buch als separate Tafeln beigegeben.

Mehrfarbige Bilder gab es bis zur Erfindung der Chromolithographie nur als handkolorierte Drucke; erst durch die Einführung der Steindruck-Schnellpresse um ca. 1870 konnten farbige Bilder kostengünstig gedruckt werden.

Artikel Druckverfahren in: Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 5 (1930), S. 125.

Bericht wie die Schwartze Kunst in Kupffer zu machen ist, aus: Vollständige Hauß- und Land-Bibliothec/ Worinnen Der Grund unverfälschter Wissenschafft zu finden ist/ deren sich bey jetziger Zeit ein Hof- Handels- Hauß- Burgers- und Land-Mann zu seinem reichlichen Nutzen bedienen kan. […] mit vielen nöthigen Kupffern zum offentlichen Druck verfertiget/ durch Andream Glorez von Mährn, Regenspurg zu Statt am Hof: Heyl 1699/1700.

Encyclopédie, Planches ###

Die Drucktechnik ist nicht unabhängig von der Visualisierungs-Aufgabe. So sind Holzschnitte und Kupferstiche zwingend ›randscharf‹, während die Technik der Aquatinta oder der Lithographie es erlaubt, ›schummrige‹ Flächen darzustellen, was z.B. für die Darstellung eines physiologischen oder mikroskopischen Befunds wünschbar sein kann

Literaturhinweise:

Tilman Falk, Artikel »Formschneider, Formschnitt«, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. X (2004), Sp. 190–224. > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=89293

Heijo Klein, Sachwörterbuch der Drucktechnik und grafischen Kunst, Köln 1975 (dumont kunst-taschenbücher 15).

Aleš Krejča, Die Techniken der graphischen Kunst, Artia-Verlag, Prag 1980.

Homepage von Wolfgang Autenrieth > http://wp.radiertechniken.de/

Homepage von Martin Riat & Maribel Serra > http://www.riat-serra.org/graph.html#tga-inhalt

nach oben

 
     
 

Schraffuren

Insbesondere wenn das Objekt keine Struktur hat (wie etwa Vogelfedern, Fischschuppen), ist die Scharffier-Technik zur Darstellung runder Formen gefordert:

Inneres der Schale einer Wassermuschel, Holzschnitt aus: [Conrad Gessner], Fischbuoch: das ist ein kurtze, doch vollkommne Beschreybung aller Fischen so in dem Meer und süssen Wasseren, Seen, Flüssen oder anderen Bächen jr Wonung habend, sampt jrer waren Conterfactur […], Zürich: Froschauer 1563; Deß anderen Buchs die ander ordnung; Der dritte Theil.

Locomobile des MM. Cail et Cie., Holzstich aus: Louis Figuier, Les Merveilles de la Science ou description populaire des inventions modernes. Bd. I: La Machine a vapeur – Bateaux a vapeur – Locomotive et chemins de fer – Machine électrique – La Paratonnerre – La Pile de Volta – L’Electro-Magnétisme. Paris: Furne, Jouvet et Cie. [1870]; Fig. 212.

Die Kunstfertigkeit erhellt aus solchen Bildern:

Detail (20 mm breit) aus: Tafel Holzschneidekunst IV in: Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 8 (1931).

Für die Darstellung von Geländeformen wurden allerhand Techniken eingesetzt, unter anderem Schraffen; vgl. das Kapitel zur Geographie. Hier ein Beispiel aus der Dufourkarte (nach 1840):

nach oben

 
     
 

Linien

Siehe hier zu das spezielle Kapitel Linien. Es ist nicht leicht zu unterscheiden, was zur eigentlichen Visualisierungsaufgabe gehört und was zur graphischen Realisierung. Hier eine einfache Liste der Funktionen von Linien:

❑ Sichtbarmachen von Unsichtbarem – eher Visualisierungstechnik (T):

  • Visualisierungen arithmetischer Formeln (z.B. die Parabel als Bild der Funktion x = y^2 im kartesischen Koordinatensytem)
  • Kraftlinien, Lichtstrahlen in der Physik
  • Bewegungen, Reisrouten
  • Prozessabläufe; siehe hierzu das eigene Kapitel
  • statistische Daten (zum Beispiel Isothermen, Isobaren)
  • Zuordnungen, Abhängigkeiten (zum Beispiel Soziogramme)

❑ Vereinfachungen, Stilisierungen (z.B. Grundriss einer Mauer in einem Plan) – graphische Realisierung

❑ Orientierungshilfe (zum Beispiel das Linienraster auf einem Stadtplan) – graphische Realisierung

Beispiel für sichtbar gemachte Bewegungen (die als ganzer Verlauf so nicht direkt sichtbar sind):

Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Band 1 (1949), Stichwort Becking

Die rhythmischen Schlagfiguren zeigen die Armbewegungen zu einer Takteinheit, sie sollen Personalkonstanten der Komponisten erweisen. Zusätzlich zum Bewegungsmuster ist die ›Gravität‹ der Bewegung durch die Liniendicke visualisiert. — Ursprünglich aus: Gustav Becking (1894–1945), Der musikalische Rhythmus als Erkenntnisquelle, Augsburg: Filser 1928.

Beispiel für graphische Stilisierung:

Großer Brockhaus, 15. Auflage, Band 8 (1931), Tafel Heimtechnik

Bildlegende: Zweckmäßige Körperhaltung 9. Beim Waschen: a Zu niedrig stehendes Waschgefäß erfordert gebückte Haltung; anstrengende Arbeit; b richtige Höhe des Waschgefäßes erleichtert die Arbeit. Alles Unwesentliche (Gesicht, Kleidung) ist weggelassen; herausgestellt anhand eines Strichs nur der gekrümmte Rücken.

Beispiel für Hilfslinien auf einem Objekt. Die damit unterteilten Gebiete sind numeriert, worauf sich die Legende bezieht:

Die Welt von A bis Z. Ein Lexikon für die Jugend, für Schule und Haus, hg. von Richard Bamberger u.a. Reutlingen / Wien / Aarau 1953, s.v. Fleisch

nach oben

 
     
 

Farben

Farbigkeit ist nicht nur ein Gewinn punkto Anschaulichkeit und Ästhetik, sie hat auch eine didaktische Funktion.

Vor der Erfindung der Farblithographie wurden die Bilder – jedes einzeln – von Hand koloriert.

Bilderbuch für Kinder enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften; […] verfasst von F. J. Bertuch [1747–1822], 12 Bände. Weimar, im Verlage des Industrie-Comptoirs [1790]–1830.

Zur Rationalisierung der Arbeit wurden auch Schablonen (frz. pochoir) eingesetzt. Hier eine solche zum Einfärben von Spielkarten:

Encyclopédie, Planches, Seconde livraison (1763), Artikel Cartier; Planche Ière / bas, Fig. 6: Patron jaune. Il y en a pour toutes les couleurs.

Die Technik der Chromolithographie (vgl. den Artikel in der Wikipdia) erscheint ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Solche Bilder erkennt man (unter der Lupe) daran, dass die Farben nicht stetig aufgetragen sind (wie die aufgemalten Aquarellfarben), sondern in Rastermanier oder mittels Punktiermethode und für Farbnuancen durch Kombination solcher Raster erzeugt wurden:

Detail (25 mm breit) aus: Gotthilf Heinrich von Schubert [1780–1860], Naturgeschichte der Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten, Krebstiere, Würmer, Weichtiere, Stachelhäuter, Pflanzentiere und Urtiere, […] 10. Auflage, Eßlingen: Schreiber, o. J. [1887].

Die Farbgebung kann statt mimetisch auch konventionell verwendet werden.

Dass zur Visualisierung von Daten Farbigkeit verwendet wird, ist eine der (T)ransformationstechniken, die vom (O)bjekt zum Bild führen. Wie der Graphiker die Farben einsetzt, gehört zum Bereich der konkreten Realisation des Bilds.

Wir kennen das z.B. aus dem Regenradar. In einer Legende wird angegeben, was mit welcher Farbe gemeint ist, hier welche Niederschlagsmenge (in mm pro Stunde) welcher Farbe zugeordnet ist:

Während hier die Farbzuordnungen willkürlich dem Regenbogen-Spektrum folgen und dadurch evtl. sogar kontra-intuitiv sind (blau, was man eher mit Wasser assoziiert = 1 mm/Stunde; orange, eher zu Sonnenschein passend = 20 mm/Stunde) sind, hat der Graphiker für die Karte der Luftverschmutzung Farben gewählt, die das Phänomen mimetisch zu repräsentieren versuchen:

Diercke Weltatlas, Neubearbeitung 1974, Braunschweig: Westermann 1983/84, S.12: Ruhrgebiet

Bei diagrammatischen Bildern mit vielen ähnlichen Elementen dient die Farbgebung auch der optischen Orientierung. Hier erkennt man leichter, welche Balken des Diagramms (ein sog. ›Manhattan Graph›) zusammengehören:

Pestalozzikalender 1965, S. 167.

nach oben

 
     
 

Simulation dreidimensionaler Gebilde

Perspektivische Darstellungen räumlicher Gebilde sind, seit es gedruckte Enzyklopädien gibt (etwa Gregor Reisch, »Margarita« 1503), üblich.

Agostino Ramelli (1531 – ca. 1610), Diverse et artificiose machine, [italien/frz Parallelausgabe, Parigi/Paris] 1588. > http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-8944

Perspektivische Korrektheit ist nicht zwingend für das Verständnis; gelegentlich ist sogar eine ›kubistisch‹ aufgefaltete Darstellung besser verständlich:

[Girolamo Cardano 1501–1576] Offenbarung der Natur unnd Natürlicher Dingen auch mancherley subtiler würkungen. Durch den hochgelerten Hieronymum Cardanum/ Doctorn der atzney zuo Meyland erstlich zuo Latin außgegangen. Darin kunstlich die art und eigenschafft deß gantzen umbkreyß der welt / beide himmelischer und elementischer Spheren angezeiget werdend/ […] Getruckt zu Basel. [Heinrich Petri 1559]. 12. Buch: Von subteylen Handwerchen; pag. CCCCXC.

Das Wasserrad A treibt die Welle BC, auf die das Seil K mit der angehängten Last L aufgewickelt wird (GF); wenn die Stangen M und N auf die tritt oder stafflen B und C bei D und E niedergedrückt werden, kann die Welle angehalten werden.

Nur sehr selten ist die Technik zufinden, 3D-Gebilde auf Papier zu plastisch zu evozieren. Zum Betrachten ist eine sog. Anaglyphen-Brille mit blauem und rotem Filter nötig.

Meyers Jugendlexikon, hg. Annelies Müller-Hegemann u.a., 7. Auflage, Leipzig: VEB Bibiographisches Institut 1977, Artikel Kegelschnitte.

nach oben

 
     
 

Didaktische Blickführung

❑ ›Freistellen‹ (engl. ›cropping‹) heisst die Befreiung eines Motivs von einem störenden Hintergrund; damit soll sichergestellt werden, dass der Betrachter vom Hintergrund und anderem Beiwerk nicht abgelenkt wird.

Bei der Dynamomaschine ist die Umgebung mit komplizierter photographsicher Technik optisch abgeschwächt, damit das interessierende technische Gerät heraussticht:

Der Große Band 5, (1930), Tafel Dynamomaschine II.

Die Technik wird genau beschrieben in: Nikolaus Karpf (Hg.) Angewandte Fotografie, München 1960, S. 98, Legende zu Abb. 145/146.

Die Idee ist alt. In einem spätmittelalterlichen Erbauungsbuch geht es um die Fünf-Wunden-Andacht. Um die Gläubigen auf diese zu konzentrieren, wird der Leib Christi ausgeblendet:

[Johannes Justus von Landsberg], Spiegel der Euangelischer volkomenheit, wie der minsch durch syns selffs vertzyen sich zo Got keren, vnd syns hertzen reynichait vn vereynug mit Got erlangen mach ... Tzo samen vergadert durch die Carthuser jn Collen, [Köln], Jaspar von Gennep, 1536.

❑ Wenn sehr kleine Dinge dargestellt werden, kann der Graphiker gleichsam eine Lupe über das Objekt legen, so dass ein Ausschnitt vergrößert dargestellt wird.

Karl Steinbuch, Automat und Mensch. Kybernetische Tatsachen und Hypothesen., 2. Auflage, Berlin u.a.: Springer 1963. Abb. 58: Ringkern-Speichermatrix (Der Ringdurchmesser beträgt 0,25mm.)

❑ Um darauf hinzuweisen, was im Focus des Interesses steht, fügt der Graphiker einen deiktischen (hinweisenden) Pfeil ein:

A typical example of pulmonary alveolar edema > https://radiologykey.com/recognizing-airspace-versus-interstitial-lung-disease/

❑ Das folgende Beispiel zeigt, wie die Vereinfachung (Weglassen der pseudo-mimetischen Schraffuren der Berge) eine Verbesserung der optischen Verständlicheit bringt:

oben: Pestalozzikalender 1920, S. 188.

unten: Pestalozzikalender 1921, S. 188.

nach oben

 
     
 

Angabe des Maßstabs

Außer beim Naturselbstdruck muss der Betrachter immer mit einer durch den Gaphiker bewerkstelligten Vergrößerung oder Verkleinerung rechnen.

Damit man das maßstäblich veränderte Objekt von der Graphik wieder auf die richtige Größe zurückführen kann, wird ihm das Maß der Vergrößerung / Verkleinerung angegeben.

  • Das kann mit der Angabe eines Quotienten (engl. ratio) zahlenmäßig angegeben werden (z.B. 1 : 25’000)
  • oder durch Beigabe einer Messlatte realisiert werden,
  • oder auch anschaulich, indem als Vergleich ein Objekt verwendet wird, dessen Größe dem Betrachter bekannt ist.

Elektronenmikroskopische Aufnahme eines T2-Phagen (aus Brenner et al. 1959) in: Eberhard Habers, Nucleinsäuren. Biochemie und Funktionen, Stuttgart: Theime 1969; Abb. 122. Die Längenangabe ist: 1000 Ångström (10^-7 mm).

Otto Spamer’s Illustrirtes Konversations-Lexikon für das Volk. Zugleich ein Orbis pictus für die Jugend, Leipzig: Spamer 1870-80, Band VII (1878), s.v. Rafflesia: Rafflesia arnoldii (Riesenrafflesie) R.Br. : hat die größten Blüten aller Blütenpflanzen weltweit.
Auf der Seite der Wikipedia wird nur die Blüte gezeigt, ohne Vergleich: http://de.wikipedia.org/wiki/Riesenrafflesie

Schweizer Lexikon in sieben Bänden [hg. Gustav Keckeis u.a.] Encyclios-Verlag Zürich 1945–1948, Band I, s.v. Arabien

Anhang: Lange kursierte die folgende Geschichte: Ein Entwicklungshelfer hielt in einem abgelegenen Tropen-Gebiet einen Vortrag über die Gefährlichkeit der Tse-Tse-Fliege. Er hatte ein Schaubild dieses Insekts mitgebracht. Nach dem Vortrag sagte einer der Zuhörer beruhigt: »Glücklicherweise müssen wir uns darüber keine Sorgen machen; in unserem Gebiet sind die Fliegen nicht so groß.« (Tages Anzeiger Magazin Nr. 34, 27.8.1977; S. 6)

In Meyers Konversations-Lexikon 1888 ist der Maßstab angegeben: 3/1 [d.h. dreifache Vergrößerung] > http://www.retrobibliothek.de/retrobib/seite.html?id=117145 (Tafel Zweiflügler)

nach oben

 
     
 

Rahmen

Eine rechteckige Bildbegrenzung ist üblich. (Warum eigentlich?) In seltenen Fällen wählen die Visualisierer einen speziellen Rahmen.

Abbildungen von Bakterien werden gern in einem Kreis auf schwarzem Hintergrund gezeigt, als blickte der Betrachter des Buches durch das Okular eines Mikroskops. Die Illusion dient der Beglaubigung. Darauf hat Horst Bredekamp aufmerksam gemacht.

Beim folgenden Bild handelt es sich um eine Komposition aus verschiedenen Teilbildern, und der runde Rahmen ist artifiziell, nicht eine Wiedergabe des Aussschnitts, so wie ihn der Beobachter im Instument sieht.

Pestalozzikalender 1929, S. 271.

nach oben

 
     
 

Anordnung von Bildelementen

Oft müssen mehrere Teilbilder nebeneinander angeordnet werden; vgl. hierzu das Kapitel Bildvielheit.

Teilbilder können aus rein ästhetischen Gründen angeordnet sein. (Der Zusammenhang zwischen dem Jugendstil und Haeckels »Kunstformen« 1904 wurde schon oft festgestelt.)

Kunstformen der Natur. Hundert Illustrationstafeln mit beschreibendem Text, allgemeiner Erläuterung und systematischer Übersicht von Ernst Haeckel Leipzig [u.a.]: Verl. des Bibliographischen Instituts 1904. > http://caliban.mpipz.mpg.de/haeckel/kunstformen/index.html

nach oben

 
     
 

Mediale Zwänge – historische Befangenheit

❑ Das Medium Sprache lässt die Wörter schematisch offen – das Medium Bild zwingt zu einer Konkretheit. (Mehr dazu im entsprechenden Kapitel hier.)

Beispiel: Zur Darstellung des Tonfilmateliers muss der Graphiker irgendeine Szene, die hier gedreht wird, zeichnen; hier sind die Darsteller (6 und 7) als höfisches Paar vor einem romanischen Torbogen ausgestattet.

Bildwörterbuch deutsch und russisch, mit 194 Text- und Bildtafeln, […], 4., neu bearb. und erw. Aufl., Leipzig: Verlag Enzyklopädie 1966. Tafel 92: Die Innenaufnahme im Filmatelier — 6 die Schauspielerin — 7 der Schauspieler

❑ Hintergrundswissen hat einen Einfluss auf die Realisation von Bildideen; jeder Graphiker ist befangen im geschichtlichen Umfeld seiner Zeit.

Beispiele: Graphiker des 16./17. Jahrhunderts haben bei der illustration antiker Texte Gewänder und Bauten im Stil der eigenen Zeit dargestellt. (Streng genommen handelt es sich hier nicht um wissensvermittelnde Bilder im Sinne des Projekts.)

• Während Homer (7. Gesang der »Odyssee«) oder sein Übersetzer einfach sagen können: Vlysses kumpt … in den Künigklichen hoff/ thuot sein gebert [Gebärde; er verneigt sich] zuo der Künigin Areten … vnd fragt/ woher jm das klaid kumme/ das sy selbst gewürkt … muss der Graphiker die Figuren einkleiden und in einen würdigen Raum stellen: Odysseus in der Tracht eines Mannes mit Faltrock im Stil eines Bilds von Lucas Cranach; die Königin vor dem Kaminfeuer eines deutschen Bürgerhauses:

Odyssea. Das seind die aller zierlichsten vnd lustigsten vier vnd zwaintzig Bücher des eltisten kunstreichesten Vatters aller Poeten Homeri/ von der zehen järigen irrfart des weltweisen Kriechischen Fürstens Vlyssis/ beschriben/ beschriben/ vnnd erst durch Maister Simon Schaidenreisser […] zuo Teütsch tranßferiert/ mit argumenten vnd kurtzen scholijs erkläret […] Augustae Vindelicorum: A. Weissenhorn 1537; Fol. XXVI verso. > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00029336/image_68

• Aeneas berichtet zu Beginn des 2. Buchs von Vergils »Aeneis« vom Untergang der Stadt Troja. Er kann die Stadt einfach so benennen; der Graphiker muss eine zeichnen. Die Szenen in der von Sebastian Brant 1502 herausgegebenen »Aeneis« spielen durchwegs vor mittelalterlichen Städten:

Publij Virgilij maronis opera ... expolitissimisque figuris atque imaginibus nuper per Sebastianum Brant superadditis, Straßburg: Iohannis Grieninger 1502. Fol. CLVI verso (Beginn des 2. Buchs)

• Ovid schildert in den »Metamorphosen« das Haus der Fama (12. Buch, Verse 39ff.; Übersetzung von Johann Heinrich Voß, 1798):

Rings unzählbare Gäng’ und der Öffnungen Tausende ringsher
Gab sie dem Haus, und es sperrte nicht Tor noch Türe die Schwellen.
Tag und Nacht ist es offen; und ganz aus klingendem Erze,
Tönet es ganz und erwidert den Laut, das Gehörte verdoppelnd.

Der Graphiker setzt die Phantasie in Realität um; das Haus wird zu einem Palast im Stil des Barock:

Des vortrefflichen römischen Poëtens Publii Ovidii Nasonis Metamorphoseon, Oder: Funffzehen Bücher Der Verwandlungen/ Ehmalen durch den berühmten Wilhelm Bauer in Kupffer gebracht ... [o.J.], ca. 1709 (EA 1641).

Auch Pictogramme unterliegen der Mode; das hat Otl Aicher einmal schön gezeigt:

nach oben

 
     
 

Online gestellt im August 2017 — PM

nach oben