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Mechanische Techniken |
EinleitungDie (didaktische) Leistung von Illustratoren, Graphikerinnen kann gelegentlich durch Techniken ersetzt und muss teilweise durch Apparate unterstützt werden, mit denen Objekte visualisiert werden. Warnung vor einer ›optischen Täuschung‹: Bei allem technischen Aufwand ist das Bild immer eine Imitation, die hinter dem Original zurückbleibt. Auch die moderne Photographie ist keine ›objektive Abbildung‹. Allein schon die verwendeten Brennweiten des Objektivs und die Öffnung der Blende (beides auf dem Smartphone nicht möglich) lassen hintereinander stehende Dinge in ihrer Beziehung verschieden aussehen. |
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Das Objekt ist zwar optisch vorhanden, aber nicht in Gestalt eines BildsEs handelt sich hierbei um mimetische Bilder. Auch beim Verfertigen eines mimetischen Bilds werden Transformationen nach gewissen Regeln ausgeführt. »Grundsätzlich gibt es keine nicht-gemachten Bilder.« (Christian Doelker, 1997, S. 59) |
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Zweidimensionales ObjektEine primitive Technik, um von einem 2D-Objekt ein Bild zu bekommen, ist der Abklatsch (engl. rubbing), eine Technik, die beispielsweise für das Kopieren von Inschriften auf (nicht transportierbaren) steinernen Tafeln verwendet wurde und wird. Beispiel (Wikipedia) Um einen Abklatsch handelt es sich auch beim Fingerabdruck:
Ebenso wird verfahren beim sog. Naturselbstdruck (vgl. den entsprechenden Artikel in der Wikipedia). Bekannt dafür ist der botanische Illustrator Alois Auer Ritter von Welsbach (1813–1869). Hierbei werden die abzubildenden Pflanzen zuerst wie in einem Herbar gepresst; die Zweidimensionalität wird also bereits vor der Abbildungstechnik hergestellt. Blätter sind weniger problematisch.
Eine Technik zur Duplizierung zweidimensionaler Vorlagen bei gleichzeitiger Vergrößerung bzw. Verkleinerung ist die Benützung des Pantographen (Storchschnabel), vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Pantograf
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Dreidimensionales ObjektEin klassisches Beispiel für den 1:1-Abklatsch eines räumlichen Objekts ist die Totenmaske:
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Dreidimensionales Objekt auf Zweidimensionalität reduzierenDer Schattenriss ist eine ganz urtümliche Weise der technischen Abbildung. Die erste Silhouetten-Zeichnerin – und damit die Erfinderin der Zeichenkunst – war die Tochter von Butades (auch Dibutades), die die Silhouette des in den Krieg ziehenden Geliebten im Kerzenschein an die Wand bannte (Plinius, Naturalis historia XXXV, xliii, 151f. > Text)
Johann Caspar Lavater (1741–1801) hat die Silhouette, den Schattenriss propagiert: Das Schattenbild von einem menschlichen Gesichte ist das schwächste, das leerste, aber zugleich […] das wahrhafteste und getreueste Bild, das man von einem Menschen geben kann; das schwächste, denn es ist nichts Positives es ist nur was negatives, — nur die Gränzlinie des halben Gesichtes; das getreueste, weil es ein unmittelbarer Ausdruck der Natur ist, wie keiner, auch der geschickteste Zeichner, einen nach der Natur von freyer Hand zu machen im Stande ist. […] In einem Schattenrisse ist nur Eine Linie; […] — und dennoch, wie entscheidend bedeutsam ist Er! […] Der Schattenriß faßt die zerstreute Aufmerksamkeit zusammen; concentriert sie bloß auf Umriß und Gränze, und macht daher die Beobachtung einfacher, leichter, bestimmter; — die Beobachtung und hiemit auch die Vergleichung. (aus: Physiognomische Fragmente …, hg. M. Armbruster, Zweyter Band, Winterthur: Steiner, 1784, S. 108) Er hat eine Maschine zur Anfertigung von Silhouetten ersonnen:
Die Camera Obscura funktioniert etwas anders, insofern als hier das Bild durch ein Loch (später eine Linse) auf einen Bildschirm (in einem dunklen Zimmer) fällt, wo man es zweidimensional nachzeichnen kann.
Albrecht Dürer zeigt in der »Vnderweysung der messung« (1525 und 1538) in 4 Bildern, wie man ein 3D-Objekt in ein 2D-Bild umformt.
Eine Weiterentwicklung ist die Maschine, die Georg Christoph Schmidt (Herzogl. Sachß. Weimar- und Eisenachischen Hof-Mechanikus in Jena) für den Nachbau beschreibt:
Robert Hooke stellte der Royal Society am 19. Dezember 1694 vor: An Instrument of Use to take the Draught, or picture of any Thing:
1839 wurde das Verfahren der Dageuerreotypie als eines der frühesten Verfahren der Photographie mittels der Camera obscura vorgestellt.
Literaturhinweis: Stefan Ditzen, Zeichnen mit der Camera lucida. Von instrumenteller Wahrhaftigkeit und riesenhaften Bleistiften, in: Horst Bredekamp / Birgit Schneider / Vera Dünkel (Hgg.), Das technische Bild. Kompendium zu einer Stilgeschichte wissenschaftlicher Bilder, Berlin: Akademie-Verlag 2008, S. 168–177. |
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PerspektivewechselEine Landschaft sehen wir vom Erdboden aus – vor der Erfindung der Luftfahrzeuge (Erstflug der Montgolfière am 4. Juni 1783). Für taugliche Landkarten ist eine Sicht von oben aus sinnvoll. Um diese Ansicht zu erreichen, bediente man sich raffinierter Maschinen und etwas Rechenkunst; vgl. das Kapitel zur Geographie.
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Objekt dem unbewaffneten Auge nicht sichtbarEs gibt verschiedene Gründe dafür, dass das Objekt nicht sichtbar ist. (Zur Technik des Aufklappens u.ä. siehe das Kapitel Innenansichten.) |
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Objekt ist verborgenEin anderer Grund für Nichtsichtbarkeit kann sein, dass das Objekt von opaken Strukturen zugedeckt ist, beispielsweise Knochen durch Muskeln. Hier schafft Abhilfe der Röntgenapparat:
Es gibt heutzutage bekanntlich andere nichtinvasive Techniken zur Visualisierung des Körperinneren (Ultraschall; PET, MRI). Rückseite des Mondes. Dass eine Hälfte des Mondes immer von der Erde abgewandt und damit unsichtbar ist, hat seine Ursache in der gebundenen Rotation des Trabanten d.h. dass die Rotationsperiode des Himmelskörpers identisch ist mit seiner Umlaufzeit. Dadurch wendet der kleinere Himmelskörper dem massereicheren stets dieselbe Seite zu.
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Objekt ist zu kleinEin Grund für die nicht-direkte Sichtbarkeit kann die Größe des Objekts sein. Hier schafft Abhilfe das Mikroskop. Jan Swammerdam (1637–1680) hat die Mücken noch mit einem ein-linsigen Mikroskop vergrößert, wie es Leeuwenhoek konstruiert hatte.
Hier das zwei-linsige Instrument, das Robert Hooke beschrieben und verwendet hat in: Micrographia: or, Some physiological descriptions of minute bodies made by magnifying glasses, London 1665:
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Objekt ist ein abstrakter Typ»Um seine Vererbungslehre zu verifizieren und zu veranschaulichen, arbeitete Francis Galton ab 1877 mit dem Verfahren der Composite-Fotografie (composite photography). Dazu belichtete er eine fotografische Platte mit beliebig vielen Einzelporträts einer zuvor ausgewählten Personengruppe, wobei die jeweilige Belichtungszeit des Einzelbildes in Relation zur Anzahl der verwendeten Porträts stand. Die Überlagerung ließ individuelle physiognomische Merkmale verschwinden und verstärkte gemeinsame Züge der ausgewählten Gruppe. Im Resultat erzeugte das Kompositverfahren ein leicht verschwommenes Bild, das laut Galton keinen speziellen Menschen darstellen sollte, sondern einen Typus – eine imaginäre Figur, die die durchschnittlichen Züge einer bestimmten Gruppe von Personen besitzt.« Zitat aus: http://www.medienkunstnetz.de/werke/composite-fotografie/ <Zugriff 8.1.12>
Mehr zu Sir Francis Galton (1822-1911) auf der Website http://galton.org Mehr zur Visualisierung von Typen hier. |
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Zeitlicher VerlaufWir sehen Objekte immer nur einen Moment lang, wohl wissend, dass ihre Bewegung ein Kontinuum darstellt, was wir aber nur in Gedanken ›imaginieren‹ können. — Zwei Männer haben etwa gleichzeitig die Chronophotographie erfunden: Eadweard Muybridge (1830–1904) > https://de.wikipedia.org/wiki/Eadweard_Muybridge Étienne-Jules Marey (1830–1904) > https://fr.wikipedia.org/wiki/Étienne-Jules_Marey
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Das Objekt hat keine optische Qualität(Der Ausdruck ›keine optische Qualität‹ ist im landläufigen Sinne zu verstehen, nicht als strenger physikalischer Terminus.) |
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SeismographDer Seismograph setzt die (nicht sichtbaren) Bewegungen (Ortsveränderungen in der Zeit) um in eine graphische Linie.
Ergebnis: Mittels Elektromyografie (vgl. Artikel in der Wikipedia) können Potentialschwankungen bei der Innervierung von Muskeln sichtbar gemacht werden:
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MagnetfeldEin Magnetfeld ist unsichtbar. Aber mit einem Trick kann man es sichtbar machen: Magnetische Feldlinien geben in jedem Punkt die Richtung (und den Richtungssinn) an, in die sich ein frei bewegliches Magnetstäbchen einstellt. (Seiler/Hardmeier, Lehrbuch der Physik, 3.Teil, 5.Auflage, Zürich 1983, S.430 § 184).
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Wilsonsche NebelkammerMit diesem Detektor können die Bahnen von Alpha- und Beta-Teilchen sichtbar gemacht werden. In übersättigtem Wasserdampf wirken sie als Kondensationskeime, so dass sich dort kleinste Tröpfchen bilden, die im Streiflicht sichtbar sind. Die Nebelkammer wurde 1912 von Charles T. R. Wilson (1869–1959) erfunden. Hinweis: http://erlangen.physicsmasterclasses.org/exp_detek/exp_detek_01.html {Juli 2017} |
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Chladnische KlangfigurenErnst Florens Friedrich Chladni (1756–1827) hat die Eigenschwingungsformen von Platten sichtbar gemacht.
Wenn nach der Entdeckung Chladnis eine elastische Platte (z.B. eine gläserne Scheibe) mit seinem, trockenem Sand gleichmäßig dünn bestreut, dann an einer od. mehreren Stellen horizontal festgehalten, durch Anstreichen mit einem Violinbogen zum Erklingen gebracht wird, so entweicht der Sand auf den mehrsten Stellen, nur in gewissen linearen Richtungen nicht, indem er sich in diesen vielmehr anhäuft, u. in der Gestalt dieser Linien regelmäßige Figuren bilden. Dies beruht darauf, daß nicht, wie bei tönenden Saiten, einzelne Punkte als Schwingungsknoten, sondern ganze Linien (Knotenlinien) in Ruhe bleiben, während die dazwischen liegenden Flächen schwingen u. dadurch tönen. (Pierer’s Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 552. > http://www.zeno.org/nid/2001024381X)
Chladni führte diese Experimente in Salons vor. Was ist genau der Erkenntniswert? Vgl. die interessante Website http://www.windmusik.com/html/chladni.htm {Juli 2017} |
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Maschinell hergestellte DiagrammeVor dem Computerzeitalter haben Graphiker statistische Daten von Hand als Balken- oder Kuchendiagramm oder ähnlich visualisiert. Heutzutage nehmen uns das Programme ab, man braucht nur die Zahlen einzugeben und anzuwählen, welche Darstellung man wünscht. |
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Statistik
Phantasiedaten, per Mausklick in Visualisierungen umgesetzt mit dem Programm Numbers. Vgl. dazu die Seite hier zu Tabellen. |
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Erste Fassung online seit Ende Juli 2017; kleine Ergänzungen Sept. 2017, Febr. 2021 — PM |
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