Mise en abyme

     
 

In dieselbe Bildebene praktizierter Hintersinn

In der Literaturwissenschaft kennt man die ›mise en abyme‹, d.h. eine Binnenerzählung, welche die Haupthandlung (oder einen Teil davon) in einer anderen Textsorte (z.B. als Märchen) gleichnishaft spiegelt. (Der Terminus kommt evtl. aus der Heraldik, wo écusson en abîme / abyme das verkleinert wiederholte Wappen innerhalb des Wappens bezeichnet.

Goethe an Carl Jacob Ludwig Iken, 27. September 1827:

Da sich gar manches unserer Erfahrungen nicht rund aussprechen und direct mittheilen läßt, so habe ich seit langem das Mittel gewählt, durch einander gegenüber gestellte und sich gleichsam in einander abspiegelnde Gebilde den geheimeren Sinn dem Aufmerkenden zu offenbaren. http://www.zeno.org/nid/2000486087X

Beispiele aus der Literatur:

Erstes Beispiel:

Hartmann von Aue, »Erec und Enîte«

(Erec hatte Enite ein Schweigegebot auferlegt, das sie bei einer Gefahr bricht, um ihn zu warnen (3113ff.); darauf muss sie zur Strafe die Pferde besorgen. Mehrfache Wiederholung solcher Szenen; immer wieder schilt Erec seine Gattin. Dann: Enite bekommt ein wunderbares Pferd geschenkt, das Guivreiz einst einem Zwerg weggenommen hatte; es ist mit einem kostbaren, mit Bildern aus der antiken Sagen weltverzierten Sattel und einer ebensolchen Satteldecke versehen (Beschreibung 7525–7757; sog. "Ekphrasis").

Aeneas, den Dido zuerst aufnahm und er sie dann zurückließ und wie er dann Lavinia heiratete:

wie der herre Ênêas,
der vil listige man,
über sê vuor von dan,
und wie er ze Kartâgô kam,
und wie in in ir genâde nam
diu rîche vrouwe Dîdô,
unde wie er si dô vil ungeselleclîchen liez

Pyramus und Tisbe, ebenfalls eine Liebesgeschichte, die ein unglückliches Ende nimmt. (7705ff)

ze guotem aneblicke
was dar an entworfen sus
wie Tispê und Pîramus,
betwungen von der minne,
behert rehter sinne,
ein riuwic ende nâmen
dô si zem brunnen kâmen.

Heimo Reinitzer in: DVJs 50 (1976), S. 597ff. breit abgestützt auf antike und ma Quellenbelege S.624: Die Exempelfiguren sind Zeichen für die katastrophale Wirkung der falschen Liebe: der sich in rasch entflammter Liebesglut Hingebenden, der maßlosen Liebe, der verwerflichen Liebe, der zerstörerischen Liebe

Text > https://www.hs-augsburg.de/~harsch/.....Chronologie/12Jh/Hartmann/har_erec.html

Zweites Beispiel :

Philipp von Zesen (1619–1689), «Adriatische Rosemund» (1645).
> http://www.zeno.org/nid/2000592894X
Im Zimmer der Adelmund – einer Freundin der Hauptheldin –, wo die beiden Verliebten (Rosemund und Markhold) sich sehen und er vom Coup de foudre getroffen wird, befinden sich allerlei Kunstgegenstände: Ein bildlich verzierter Leuchter, ein Decken-Gemälde mit dem Motiv der beiden von Vulcan ertappten Venus und Mars, und über dem Kaminsims ›Sinnenbilder‹, wovon das eine so beschrieben wird:

… ein häl-strahlendes windlücht, üm dässen flammen di mükken härüm flohen, derer etliche di flügel verbrandt hatten, und härab auf den boden filen. Oben stund diser Sünnen-spruch: Lust bringt verlust. Di mükke fleugt so lang’ üm dise gluht, bis si ihr selbst den bittern tohd antuht.

Das ist eine Anspielung an bekannte Embleme – die Geschichte endet denn auch tragisch.

Daniel Heinsius (1580–1655) Emblemata aliquot amatoria. Cum additamento aliorum nunc primum in lucem edito, Druck von ca. 1620.

LUMINA DELECTANT CULICES, PERIMUNTQUE / SIC NOBIS SPES EST OPTIMA CAUSA MALI. ≈ Das Licht zieht die Mücken an, und was sie anfliegen bringt sie um. So ist die Hoffnung für uns der Hauptgrund des Unglücks (übersetzt von Thomas G.)

Gabriel Rollenhagen / Crispin de Passe, Nucleus Emblematum, Arnheim/Utrecht 1611; I, 40

(mehr dazu unten)

Im Zimmer auch ein Decken-Gemälde mit dem Motiv der beiden von Vulcan ertappten Venus und Mars; dies offensichtlich als Gegenbild zu der Treue der beiden Haupthelden:

[…] an der däkke, wahr ein grohsses rundtes gemälde zu sähen, in welchem Heldreich [Mars] mit der Libinne [Venus] auf däm bette, in einem zahrten güldnen näzze, nakkend gefangen lagen, und von der Sonnen, welche ihre strahlen mit fleis auf si zu-warf, gleichsam verrahten und angegäben warden. Der Libinnen Ehman, der besudelte Schmid, Gluht-fang [Vulcan] , stund von färne bei seinem Ambohs, krazte sich mit der linken im kopfe, in meinung di hörner, di ihm Held-reich auf-gesäzt hatte, lohs zu wärden, und lihs fohr angst den hammer aus der hand auf seinen schohn-gelähmeten fuhs fallen.
> http://www.zeno.org/nid/2000592894X

Die Geschichte wird erzählt von Metamorphosen IV, 171–189 (nach Homer, Odyssee VIII, 266ff.); die Szene wurde x-mal visualisiert. Zesen lässt die lachenden Götter weg und erfindet die lächerlichen Gebärden Vulcans.

Vgl. die Illustration von Virgil Solis (1514–1562):

METAMORPHOSES OVIDII, ARGVMENTIS QUIdem soluta oratione, Enarrationibus autem & Allegoriis Elegiaco uersu accuratissime expositae, […] una cum uiuis singularum transformationum Iconibus a Virgilio Solis, eximio pictore, delineatis. Frankfurt: G. Coruinus, S. Feyerabent, & haeredes VVygandi Galli, 1563

Drittes Beispiel:

Georg Büchner, «Woyzek» (1836/37); 14. Szene [H1]: Die Großmutter erzählt das (Anti-)Märchen vom Sterntaler, das die geistige Verfassung des Helden charakterisiert.

Viertes Beispiel:

Carl Zuckmayer, «Hauptmann von Köpenick» (1931); Voigt liest einem kranken Mädchen das Märchen der Bremer Stadtmusikanten (KHM 27) vor, wo ja ebenfalls mit einem Trick Schwache (die vier alten Tiere) einen Starken (den Räuber) überwältigen.

Fünftes Beispiel:

Vergil stellt in der Aeneis VII: Die beiden Krieg Führenden Turnus (783ff.) und Camilla (803ff.) dar. Turnus trägt nebst einem sinnträchtig verzierten Helm einen Schild:

At levem clipeum sublatis cornibus Io
auro insignibat, iam saetis obsita, iam bos
(argumentum ingens), et custos virginis Argus
caelataque amnem fundens pater Inachus urna.

Doch auf dem glänzenden Schild stellt golden mit wachsenden Hörnern Io sich dar; schon borstig behaart, schon steht sie als Kuh da – ein gar stattliches Bild –; auch Argos, der Wächter der Jungfrau. Inachos gießt, ihr Vater, den Strom aus gemeisselter Urne. (Übersetzung nach W.Hertzberg bearbeitet von E.Gottwein)

Wenzel Hollar (1607–1677) illustriert das so:

(Bild aus Wikipedia) Detail:

Mythologischer Hintergrund: Jupiter verliebt sich in Io, Tochter des Flussgottes Inachus (vgl. auf dem Bild des Schildes unten) und nähert sich ihr in Gestalt eines Nebels. Seine Gattin Juno bemerkt das, worauf Jupiter Io in eine Färse verwandelt. Sie bittet sich das Tier zum Geschenk aus und gibt ihr den hundertäugigen Argus als Hüter. Um das Tier zu befreien, erteilt Jupiter dem Merkur den Auftrag, Argus zu töten (Merkur mit dem typischen Stab Caduceus; die vielen Augen von Argus angedeutet; die Kuh im Hintergrund.) Vgl. Ovid, Metamprphosen I, 584ff.

Der Hintersinn: Juno hat den Krieg zwischen Turnus und den sich nahenden Trojanern angebahnt (die Pforten des Janus geöffnet Vers 601ff). Und Turnus ist wie Io auf Geheiss von Juno verwandelt worden. – Die Szene von Merkur und Argus wurde von W.Hollar wohl nur der Deutlichkeit halber gesetzt; man vergleich Darstellungen der Szene in Ovidillustrationen; wie

hier bei Antonio Tempesta (1606), der seinerseits oben am Himmel Juno darstellt:

Sechstes Beispiel: In der Unterwelt

Im 10.Gesang des »Purgatorio« schildert Dante den Kreis, wo die Seelen der Hochmütigen büßen; als ›Gegen-Bilder‹ an der Wand sind Szenen von Demütigen dargestellt, u.a. der vor der Bundeslade tanzenden David (2.Samuel / 2.Reg. Kap. 6) Vers 28ff. sowie Trajans Akt der demütigen Rechtsprechung für eine arme Witwe.

Wie ich dort still mit meinem Führer stand,
Erkannt' ich, daß der Felsrand uns entgegen,
Der steil sich hob, gleich einer schroffen Wand,
Von weißem Marmor war, und allerwegen
Voll Bildnerei, ....

> http://www.dante-on-the-net.dk/_purgatorio/feg-10.htm

Vgl. hierzu die Illustration von Gustave Doré:

 

Beispiele aus der bildenden Kunst

Erwin Panofsky stellte fest, dass holländische Maler im 17. Jahrhundert oft zeichenhaft gemeinte Gegenstände derart natürlich in die Welt des Bildes hineingewoben haben, dass sie nicht als solche auffallen; er spricht vom »principle of disguising symbols under the cloak of real things«. (E.P., Early Netherlandish Painting, 1953; 2. Auflage, Cambridge / Mass. 1964, S. 140ff.)

Erstes Beispiel: Praxis und Symbol für die dahinterstehende Theorie

Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) akzeptiert 1703 die Fluttheorie von John Woodward und erklärt die fossilen Pflanzen und Tiere als verschüttete Lebewesen der Sintflut. — 1709 publiziert er eine Reihe von Bildern seiner Fossilien-Sammlung unter dem Titel »Herbarium Diluvianum«; das Titelblatt zeigt die Arche Noah in der Sintflut. — 1716 veröffentlicht er ein Buch u.d.T. »Museum Diluvianum« mit diesem Titelblatt (Radierung von Johann Melchior Füssli):

> https://doi.org/10.3931/e-rara-10495

Mehrere Sphären sind ins Bild integriert: (1) Die Landschaft wird charakterisiert durch einen hackender Bergarbeiter. (2) In modischer Kleidung mit Allonge-Perücke – eher in eine städtische Kunstkammer passend – ein Gelehrter, der mit einem Stock auf die ausgegrabenen Fossilienfunde zeigt. (3) Hinten oben auf dem Berg die gelandete Arche Noah, das Symbol für das Erklärungsmuster der Fossilien.

Vgl. Urs B. Leu, Johann Jacob Scheuchzer. Pionier der Alpen und Klimaforschung, Zürich: Chronos 2022; S. 151ff.

 

Zweites Beispiel: Ein Emblem und eine biblische Szene augmentieren eine Personifikation

Johann Andreas Pfeffel (1674–1748) / Martin Engelbrecht (Kupferstecher, 1684–1756),
XII. ausserlesene Tugenden in anmuthigen Bildern, deren heylsame Ubung durch biblische Kern-Sprüche und lobwürdige Exempel, wie auch sinnreiche Devisen anrecommandirt wird ... wie auch XII. Abscheuliche Laster in abschröckenden Bildern ... Augsburg: Lotter [ca. 1745].
> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11216008?page=1

Personifikation: Die Gedult gleicht den sanftmütigen Schafen und dem Amboss, der viele Streiche erträgt.

Links auf dem Holzblock unter dem Amboss: Schilfrohr im Sturm: Das Biegen bringt siegen (Emblem: flectimur, non frangimur; aus der Fabel von Avian, Perry 70)

Henricus Engelgrave: Lux Evangelica Sub Velum Sacrorum Emblematum Recondita: In Omnes Anni Dominicas Selecta Historia Et Morali Doctrina Varie, Köln: Busaeus 1656–1657; Band I, Nummer III
> https://archive.org/details/luxevangelicsub00enge/page/31/mode/1up
> https://hdl.handle.net/2027/gri.ark:/13960/t83j9d02s?urlappend=%3Bseq=43

Rechts im Hintergrund: Hiob, der von den Freunden verspottet wird (insbes. Hiob 16,20)

Drittes Beispiel: Eine Fabel und ihre Deutung

(a) Deutung im Hintergrund

Die Fabel vom schlauen Fuchs, der den Raben dazu überlistet, den Käse aus dem Schnabel fallen zu lassen (Vulpes et Corvus, Phaedrus I,13), ist im Vordergund gezeigt; im Hintergrund wird ein feiner Herr umschmeichelt und lässt Geld aus dem Beutel fallen:

Phaedri, Augusti Caesaris liberti, Fabularum Aesopiarum libri quinque; notis perpetuis illustrati, & cum integris aliorum observationibvs Amstelodami: Apud Johannem Janssonium à Waesberge & viduam Elizei Weyerstraet 1667.
> https://archive.org/details/phaedriaugustica00phae

(b) Fabel im Hintergrund

Jean de la Fontaine (1621–1695) deutet die Fabel von Phaedrus (III,12): Bei ihm ist es ist nicht nur Le Coq et la Perle sondern auch ein (dummer) Mensch, der sich so benimmt. Grandville (1803–1847) visualisiert die beiden Szenen so, dass er die Tierfabel als Bild im Bild zeigt.

Fables des La Fontaine. Illustrations par Grandville, Paris: Garnier 1839; Livre I, Fable 20

Das Huhn und die Perle

Hühnchen fand an einem Ort
Eine Perl’ und trug sofort
Sie zum Juwelier hinüber:
»Glaube, sie hat hohen Preis,
Doch das kleinste Körnchen Mais
Wäre mir bei weitem lieber.«

Eine Handschrift inhaltreich
Erbt’ ein Dummkopf, bringt sogleich
Sie zum Antiquar hinüber:
»Wertvoll, hör’ ich, soll sie sein,
Doch der kleinste Talerschein
Wäre mir bei weitem lieber.«

Lafontaines Fabeln, übersetzt von Ernst Dohm, Berlin: Bondi 1913 [EA 1877]

J.J. Grandville in einem Bild zu Jean-Pierre Claris de FLORIAN (1755–1794), Fables de Florian, Dubochet 1842.

Livre I, Fable XIII: La coquette et l'abeille:

Chloé, jeune, jolie, et surtout fort coquette,
Tous les matins, en se levant,
Se mettait au travail, j'entends à sa toilette ;
[…]

Es kommt eine Biene summend angeflogen und die Dame ruft um Hilfe. Die Biene setzt sich auf die Lippen von Chloé. Ihre Gehilfin will sie zerquetschen; da sagt die Biene "Chloes Mund schien mir wie eine Rose, Und ich glaubte... " Da erweist Chloé der Biene Gnade.

Hélas ! Lui dit avec douceur
L'insecte malheureux, pardonnez mon erreur ;
La bouche de Chloé me semblait une rose,
Et j'ai cru... ce seul mot à Chloé rend ses sens
Faisons grâce, dit-elle.
[…]

An der Wand hängt ein Bild mit der Darstellung der Fabel vom Fuchs und dem Raben, der den Käse aus dem Schnabel fallen lässt, da der Fuchs dessen Gesang schmeichlerisch gelobt hat (Phaedrus I,13; ebenfalls von Grandville 1838 in der Ausgabe von La Fontaine illustriert: Le Corbeau et le Renard):

Viertes Beispiel: Eine paradigmatische Situation und die Deutung als Bild einer Fabel im Hintergrund

Ein unbekannter Graphiker zeigt (ca. 1800/05) den Epikuräer, der nicht weiss, welcher Lust er sich zuwenden soll: "par où commencerai-je?" – dies ist bereits eine ins Karikaturistsche umgesetzte Frage der Entscheidung von Alternativen.

L'épicurien / L'embarras des Richesses !!!

Musée Carnavalet, Histoire de Paris
> https://www.parismuseescollections.paris.fr/en/node/898032

Das Bild an der Wand zeigt ›Buridans Esel‹, der sich nicht zwischen zwei Futtertrögen entscheiden kann, und dabei verhungert: l’âne entre 2 mesures d’avoine. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Buridans_Esel)

Fünftes Beispiel: Üble Anspielungen als Bild im Bild angebracht

William Hogarth (1697–1764) karikiert die von den Eltern zwangsweise arrangierte Ehe des Sohns eines verarmten Adligen mit einer reichen Bürgerstochter: »Marriage A-la-Mode« in sechs Bildern (1743/44).
> https://en.wikipedia.org/wiki/Marriage_A-la-Mode_(Hogarth)

Das 4.Bild: The countess’s morning levee
> https://en.wikipedia.org/4,_The_Toilette

An der Wand hängen Bilder mit folgenden Motiven. alles üble Paarungen:
(links unten:) Jupiter entführt als Adler Ganymed
(über der Braut): Jupiter schwängert in Nebel gehüllt Io (Ovid, Met. I, 599; das Bild nach Correggio 1531/2)
(über dem Bräutigam:) Die beiden Töchter von Lot lassen sich vom betrunkenen Vater schwängern (Genesis 19,30ff.); hier nur ein Beispiel von vielen: Jan Massys.
(unten rechts:) Das Kind hat im Korb vor sich eine Figur von Aktäon aufgestellt, der von Diana in einen Hirsch verwandelt wird, nachdem er sie zufällig nackt gesehen hat; im Korb ein Teller mit der Szene von Jupiter, der als Schwan Leda schwängert.

Detail:

G.C. Lichtenberg verweist in der »Ausführlichen Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche« (1794–99) darauf, dass im Fauteuil des Bräutigams ein Buch mit dem Titel »Sopha« liegt; ein Roman von Claude-Prosper Jolyot de Crébillon (1742), wo der Erzähler, in ein Sofa verwandelt, die Szenen von Paaren schildert, von denen er Zeuge wird.
> https://www.projekt-gutenberg.org/lichtenb/hogarth/chap012.html

Sechstes Beispiel: Eine bürgerliche Hochzeit mit einem üblen Einsprengsel

David Herrliberger (1697–1777) stellt eine Hochzeitstafel vornehmer Bürger in Zürich dar: Nôces de Personnes de Condition

David Herrliberger, Kurze Beschreibung der Gottesdienstlichen Gebräuche, wie solche in der Reformirten Kirche der Stadt und Landschaft ZÜRICH begangen werden, Zürich: D.Herrliberger / Basel: D.Eckenstein 1751 (Planche III, No.2). > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5733411

Die Brautleute tafeln, artig zugeknöpft. Oben an der Wand über der Uhr ist ein Bild angebracht, das zeigt, wie der bockfüßige, gehörnte, geile Pan einen Vorhang zurückzieht und eine schlafende Nymphe überfällt (vgl. Ovid, Metamorphosen I, 689ff.). Das Bild gleicht der Darstellung der Szene in der »Hypnerotomachia Poliphili« (rechts, aus der Ausgabe Hypnerotomachie, ou Discours du songe de Poliphile, Paris 1546); es würden sich viele Vorlagen finden lassen.

  

Siebentes Beispiel: Politische Karikatur mit nicht ganz dezent als Bild im Bild eingebrachter Deutung

Der liberal denkende Geistliche Alois Fuchs (1794–1855), der sich 1832 gegen die Allmacht des Papsts, gegen den Zölibat der Priester, für die Verdeutschung der Messe ausgesprochen hatte, wurde vor eine bischöfliche Kommission zitiert, die ihn im Amt suspendierte.

Die Karikatur von Martin Disteli (1802–1844) im »Republikaner-Kalender« 1834 zeigt den sich verteidigenden A.Fuchs im Gerichtszimmer.

Ditigalisat der Zentralbibliothek Solothurn

An der Wand hängen zwei Bilder, mit denen Disteli Stellung gegen die Ankläger bezieht. Zum Vergleich (auch wenn es keine ganz genauen Bild-Übernahmen sind; Disteli hat sich von dieser Ikonographie inspirieren lassen):

Links im Detail:

Es ist die Szene, wo Susanna im Bad von den zwei Alten bedrängt wird (Buch Daniel, Kap 13); der eine der beiden Männer trägt den typischen Hut der Jesuiten. — Vgl. den Holzschnitt von Tobias Stimmer (1625):

Rechts eine bildliche Umsetzung des Gleichnisses vom Sämann und dem Teufel, der Unkraut sät unter den Weizen (Matthäus 13.24–30):

Vgl. den Stich von Isaac Nicolai / Claesz von Swanenburg (1537–1614)
> MeisterDrucke-1362587:

Dass auf beiden Bildern Jesuiten gemeint sind, ist an der Kopfbedeckung zu erkennen, die sie auch auf der Karikatur im Schweizer Satire-Magazin »Der Gukkasten« (Zweiter Band; Vierter Jahrgang; 8. März 1844) tragen:

Die Zukunft des Luzerner Volkes.

Hinweis auf eine Website zu Distelis Karikaturen > http://www.payer.de/religionskritik/karikaturen34.htm

Achtes Beispiel: Eine reaistische Szene im Hintergrund

Wie sich Eheleute benehmen sollen:

Johann Fischart, Das Philosophisch Ehzuchtbüchlin. Oder, Des Berümtesten vnd Hocherleuchtesten Griechischen Philosophi, oder Natürlicher Weißheyt erkündigers vnd Lehrers Plutarchi Naturgescheide Eheliche Gesaz, oder Vernunft gemäse Ehegebott, durch anmutige lustige Gleichnussen ganz lieblich getractiret […]; zweite Auflage Straßburg 1591.

Das 5. Capitel. Das der Mann/ sonderlich so er erst kürtzlich in die Ehe kommen/ nicht zu vnleidenlich oder hart sein soll.

Im Hintergrund diese Szene: Zwei Ziegen begegnen sich auf einem schalen Steg, wobei kein Ausweichen möglich ist; die eine Ziege legt sich nieder, und die andere kann, während jene am Boden liegt, darüber hinweg steigen. Das ist in der Emblematik mehrmals verwendet worden, hier ein späteres Beispiel:

Sic cedere juvat (So ausweichen ist nützlich)

Petrus Isselburg / Georg Rem, Emblemata Politica. In aula magna Curiæ Noribergensis depicta, Nürnberg 1617. > http://diglib.hab.de/drucke/uk-40/start.htm

Mehr dazu hier: http://www.symbolforschung.ch/Embleme.html#tocAnchor98


> Der Petrarcameister (1532)

> Gabriel Rollenhagen (1611/1613)

> Conrad Meÿer (Zürich 1618–1689)

> Romeyn de Hooghe (1645–1708)

> Gottfried Eichler (1715–1770)

 
     
 

Petrarcameister

Beim sog. Petrarcameister trifft man solche Darstellung sehr oft an. Petrarca (1304–1374) hat an »De Remediis utriusque fortunae« von 1354 bis 1367 gearbeitet.

Der Begriff fortuna hat zwei Bedeutungen: ›Glück‹ / ›blindwütendes Geschick‹. Nach diesen beiden Aspekten gliedert Petrarca sein Werk:
    Im ersten Teil (122 Kapitel) weist die personifizierte Vernunft nach, daß alles, was (durch Freude formuliert) den Menschen glücklich zu machen scheint, eitel ist.
    Im zweiten Teil (132 Kapitel) führt die Vernunft Trostgründe gegen das vermeintliche Übel an. Der eine Aspekt der Fortuna ist zu beargwöhnen, der andere auszuhalten. Im einen Fall sagt Ratio warnend ›Das ist aber kein Wert!‹, im anderen Fall palliativ: ›Das braucht dich nicht anzufechten!‹

Francesco Petrarca, De remediis utriusque fortune – Heilmittel gegen Glück und Unglück. Übersetzt von Ursula Blank-Sangmeister, herausgegeben und kommentiert von Bernhard Huß, Stuttgart: Hiersemann Verlag 2021/2022 (Mittellateinische Bibliothek 8 / 1 und 2).

Vgl. die dt. Übersetzungen und Erläuterungen > https://www.petrarca.pushpak.de

Vgl. den Aufsatz von Rebekka Stutz (insbes. zu I, 69: Von angenemer lieb vnd buolschafften)
>auf dieser Website

Druck der ersten deutschen Übersetzung mit Illustrationen 1532: Franciscus Petrarcha. Von der Artzney bayder Glück/ des guoten vnd widerwertigen. Vnnd weß sich ain yeder inn Gelück vnd vnglück halten sol. Auß dem Lateinischen in das Teütsch gezogen. Mit künstlichen fyguren durchauß/ gantz lustig vnd schön gezyeret. Gedruckt zuo Augspurg durch Heynrich Steyner. M. D. XXXII.
> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb11200493?page=3

Erstes Beispiel:

I,108: Von der seligkait

Rechts ein König mit Wertsachen im Hintergrund (Münzen / Goldstücke, Pokale o.ä.); links ein Mann in Rückenansicht, der nach draussen zeigt, wo ein Wagen mit drei Personen zu sehen ist, der von zwei wie Pferde eingespannten, auf allen Vieren gehenden Männern gezogen wird.

Gegenübergestellt wird: Materielle Güter und Bekleiden eines öffentlichen Amtes (König rechts) versus Schlichtheit des weisen Mannes (in einfachen Gewand, nach draussen weisend).

W.Fraenger, Hans Weiditz und Sebastian Brant, Leipzig 1930; S.39f. identifiziert die Szene im Hintergrund als die Geschichte von Kléobis und Biton.

Die beiden ließen sich, weil Zugtiere fehlten, vor den Wagen spannen, um ihre Mutter zum Heiligtum der Göttin Hera zu führen. (Diese Geschichte wird von Petrarca nicht erzählt !) Quellen: Herodot, hist., I,32; Hygin, Fabulae ¶ 254; u.a. — Woher kannte der Influencer des llustrators das? (Hygins "Fabulae" wurden erst 1535 bekannt, als Micyllus den einzigen Codex aufstöberte und drucken liess.)

Zweites Beispiel:

II,42: Von der styeffmuotter

Hauptbild: Ein jugendlicher Mann wird von seiner garstigen Stiefmutter (mit den Kindern aus zweiter Ehe) abgewiesen und grämt sich.

Szene hinten im Bild: Phrixos und Helle entfliehen auf einem Widder der bösen Stiefmutter Ino übers Meer. Quellen: Apollodor, Bibliotheke 1,80–82; Diodor Siculus, Hist. 4,47,1; Ovid, Fasti 3,853ff.

Drittes Beispiel:

I,77: Von verheyrattung der kinder

Links und rechts im Bild werden zwei Eheschließungen gezeigt.

Im Hintergrund – als Warnung vor der Freude über Ehen – dieses Szene: Tullia die Jüngere, Tochter des römischen Königs Servius Tullius, wollte unbedingt ihren Ehemann Lucius Tarquinius Superbus auf den Thron bringen. Sie lässt den greisen Vater ermorden. Auf dem Heimweg vom Forum, wo sie ihren Mann als König begrüßt hatte, lässt sie den auf der Staße liegenden toten Vater überfahren. (Quellen: Livius, ab urbe condita I, 46–48; Dionysios Halikarnassos IV, 28–39; Valerius Maximus IX, xi, 1; Ovid, Fasti VI, 587–610. vgl. auch hier)

Giovanni Boccaccio, [De claris mulieribus] Von etlichen frowen. Tr: Heinrich Steinhöwel Strassburg: Johann Prüss, 1488 > http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/inc-iii-61

Livius, Römische History, Straßburg: Grüniger 1507

Viertes Beispiel

I,72: DE NATORUM FORMA — Von Adenlicher gestalt der Kinder

In diesem Kapitel freut sich Gaudium: Forma filiorum magna est ≈ die Schöheit meiner Kinder ist groß. – Ratio warnt: Die Schönheit weckt die Begierde, und gefährdet so die Sittsamkeit: Forma multos tentavit ac tentandos prebuit, quosdam stravit, vel in crimen impulit vel in mortem. Das belegt sie mit elf Exempla aus der antiken Literatur. Vier davon hat der Meister umgesetzt:

In der Mitte: ein ein Szepter haltender Gekröntner mit zwei bekränzten jungen Männern.

blau: Phaedra verliebt sich in Hippolytus, weil dieser ihre Leidenschaft nicht erwidert, bringt sie sich verzweifelt ums Leben, verleumdet aber H. auf einem Zettel, er habe ihr nachgestellt. Ihr Ehemann Theseus erfährt das und bittet Neptun H. zu töten. Wie Hippolit mit einem Wagen am Meeresufer fährt, taucht ein Ungeheuer auf, so dass die Pferde scheu werden, und H. aus dem Wagen geschleudert und mitgeschleift wird, bis er zerschmettert wird. (Ovid erzählt das umständlich in Met. V,492ff.)

grün (links oben): In Petrarcas Text: Spurina ne tentaretur propriis se manibus deformavit. Spurinna, ein gut aussehender Mann, verstümmelt sein schönes Gesicht, damit er andere nicht zur Lüsternheit verführt. (Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia IV, 5 ext. 1). In der 1532er-Übersetzung: Spuria/ das er nit angefochten wurde/ hat sich mit aygner hand scheutzlich gemacht.

rot: Bellerophontes: Stheneboia verliebt sich in B., aber wie er ein "Treffen" ablehnt, lässt sie über Mittelsleute ihn beauftragen, das Ungeheuer Chimaira zu töten, in der Hoffnung, dass B. dabei umkomme. (Apollodor, Bibliotheca II,30–31)

Chimaira (Homer, Ilias VI,179–183; Petrarca kannte die lat. Prosaübersetzung von Leontius Pilatus, † 1365) ist ein Kompositwesen aus Löwenkopf, Schlangenschwanz, Ziegenleib; mittelalterliche Autoren kannten indessen die Bescheibung aus Isidor, Etymologien XI,iii,36: fingut Chimaeram triformem bestiam: ore leo, postremis partibus draco, media caprea. — Genau so ist das Monster – aus Texten entwickelt – auf dem Holzschnitt dargestellt:

braun: Joseph wird von der Frau des Potiphar bedrängt (Genesis 39,6–20): Vnd Joseph war schön vnd hübsch von angesicht. VND es begab sich nach diesem geschicht / das seines Herrn weib jre augen auff Joseph warff / vnd sprach / Schlaffe bey mir. […] ES begab sich der tage einen/ das Joseph in das Haus gieng/ sein Geschefft zu thun/ vnd war kein Mensch vom gesinde des hauses dabey/ Vnd sie erwischt jn bey seinem Kleid/ vnd sprach/ Schlaffe bey mir. Aber er lies das Kleid in jrer Hand/ vnd flohe/ vnd lieff zum hause heraus. (Lutherbibel 1545)

Hier zum Vergleich ein kurz früher verfertigter Holzschnitt:

Den Bibel. Tgeheele Oude ende Nieuwe Testament met grooter naersticheyt naden Latijnschen text gecorrigeert, [...] Met schoonen figueren ghedruct, Thantwerpen: W.Vorsterman, 1528.

Hier ist rechts das darauf folgende Geschehen simultan ins Bild gebracht: Joseph wurde in den Kerker geworfen; zusammen mit dem Mundschenk und dem Bäcker des Pharao (Gen. 39,20 und 40,1), womit wir wieder beim obigen Abschnitt wären...

Man erkennt, wie umfänglich gebildet Petrarca war. Wilhelm Fraenger, Hans Weiditz und Sebastian Brant, Leipzig 1930, S.48 verweist darauf, dass Sebstian Brant im »Narrenschiff«1494 (Kapitel 13: Von buolschafft) drei der Geschichten erwähnt, was nahelegt, dass Brant das Bild inspiriert haben mochte:
Phedra Theseo fuer nit nach
Noch suecht si jrem styeff sun smach/
...
Joseph würd nit verklagt vmb suß
Als Bellerophon ...

Fünftes Beispiel:

Kapitel I,40.

Petrarca kritisiert die Freude über köstliche Gemälde. Der Illustrator kommt nicht umhin, eine prächtige Malerwerkstatt darzustellen, wo ein würdiger Herr portraitiert wird, eine Statue bemalt wird und Besucher ein fast vollständiges Gemälde betrachten, das Trauben an einem Weinstock darstellt:

Ein winziges Detail bringt die Kritik ins Bild: Ein Vogel fliegt auf dieses Bild zu und versucht, Trauben zu naschen. Das bezieht sich auf eine Stelle bei Plinius, naturalis historia XXXV, xxxvi, 65:

Parrhasios soll sich mit Zeuxis in einen Wettstreit eingelassen haben; dieser habe gemalte Trauben so erfolgreich dargeboten, dass die Vögel zum Schauplatz herbeiflogen; Parrhasios aber habe einen so naturgetreu gemalten leinenen Vorhang [auf einem Bild] angebracht, dass der auf das Urteil der Vögel stolze Zeuxis verlangte, man solle doch endlich den Vorhang wegnehmen und das Bild zeigen; als er seinen Irrtum einsah, habe er ihm in aufrichtiger Beschämung den Preis zuerkannt, weil er selbst zwar die Vögel, Parrhasios aber ihn als Künstler habe täuschen können.

Damit ist (sapienti sat!) angedeutet, dass die Malerei Augentrug ist. Man soll nicht von Menschen angemalte Bretter angaffen, sondern das Bild, das Gott geschaffen hat. In der Ausgabe 1539 steht der Vers von Johannes Pinicianus:

Wer Sonn vnd Mond/ vnd Himmels schön
    Besicht/ vnd alles erdtrichs grön/
Der mag sich von verwundern dran/
   Vnd ander gmäl hinfaren lan.

Maria Gräfin Lanckoro?ska (Selbstbildnisse des Petrarkameisters, in: Stultifera Navis 10 (1953), S. 31–35) hielt das Gesicht des porträtierenden Malers für ein Selbst-Porträt des Meisters. Das wäre dann noch eine weitere integrierte Ebene:

 

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Gabriel Rollenhagen

Gabriel Rollenhagen (1583–1619?) kombiniert in seinem Emblembuch öfters das allegorisch gemeinte Ding im Vordergrund mit einem Exemplum im Hintergrund.

Erstes Beispiel

Hier (II,31) ist das Symbol eine brennende Kerze, Sinnbild der Selbstaufopferung, mit dem Motto ALIIS INSERVIENDO CONSUMOR (Im Dienst an anderen verzehre ich mich). Das Epigramm dazu sagt: So opfert sich der Fürst, während/indem er die Untertanen am Leben erhält.

ALIIS INSERVIENDO CONSVMOR

Ut candela perit, nobis dum lumina praestat:
Dux ita, subiectos dum fovet, ipse cadit
.

Im Hintergrund vor der Vedute Roms Marcus Curtius, der auf dem Pferd in eine Kluft auf dem Forum reitet, von der das Orakel geweissagt hatte, sie schließe sich erst nach dem Opfer der ›größten Macht‹ Roms, und der sich so für das römische Volk opfert.

Gabriel Rollenhagen / Crispin de Passe, Nucleus Emblematum, Arnheim/Utrecht 1611/1613; unter dem Titel: Sinn-Bilder, hg. Carsten-Peter Warncke (Bibliophile Taschenbücher 378), Dortmund 1983.
> https://archive.org/stream/gabrielisrollenh00roll#page/n87/mode/2up

Die Texte zu Marcus Curtius:
• Livius, Ab urbe condita, VII,vi, 1–6
• Valerius Maximus, Dicta et facta memorabilia V, vi, 2
• Peter Lauremberg, Acerra philologica (1717) > http://www.zeno.org/nid/20005233976

Bild aus einer Livius-Ausgabe:

Von Ankunfft vnd Ursprung deß Römischen Reichs / der alten Römer herkommen/ Sitten/ Weyßheit/ Ehrbarkeit / löblichem Regiment / Ritterlichen Thaten. Jetzund auffs neuw auß dem Latein verteutscht/ und mit ordentlicher verzeichnuß der fünemsten Historien/ Jarrechnung/ kurtzer Liuischen Chronica/ und Register/ in den Truck verfertiget Durch Zachariam Müntzer. Mit schönen Figuren geziert/ … Frankfurt/Main: Raab / Feyrabend / Han 1568.

Zweites Beispiel

Das Hauptbild hier (II,10): ein Bauer mit der Egge.

> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3101818/f53.item

Evertit et aequat ≈ Es wühlt auf und verteilt gleichmäßig. ≈ It breaks into pieces and smooths things that are rough.

Sic Deus interdum magnos evertit, ut æquet
   Sorte illos miseris qui sine honore iacent.

Das Motiv der Egge stammt von Claude Paradin, Devises heroiques (1557)
> https://www.emblems.arts.gla.ac.uk/french/emblem.php?id=FPAb083

Links im Hintergrund ein Narr, der unterrichtet oder predigt:


Rechts im Hintergrund: Orpheus, der mit seinem Gesang sogar die Tiere rührt (Ovid, Met. XI, 1ff.):

Auch Julius Wilhelm Zincgref, Emblematum ethico-politicorum centuria (1619) verwendet das Musizieren von Orpheus als Allegorie:

So muß man die Herzten beherrschen

Strenge Regenten machen strenge Leuthe/
Dieser Orpheus zwinget durch die Sayte
Wildere Hertzen/ alß die scharffen Klingen
   wissen zu zwingen.

aus der Ausgabe Heidelberg 1664 u.d.T. Hundert ethisch-politische Embleme

Dietmar Peil, Emblemtypen in Rollenhagens Nucleus Emblematum, in: D.Peil, Ausgewählte Beiträge zur Emblematik, Hamburg: Kovac 2014, (Schriften zur Kunstgeschichte, Band 45), S.1–23.

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Conrad Meyer (1618–1689)

Erste Beispiele:

Conrad Meyer hat ein emblematisches Buch von Jacob Cats [1577–1660] 1657 neu illustriert und erweitert.

H. Jacob Catsen Kinder-Lustspiele, durch Sinn- und Lehrbilder geleitet; zur Underweisung in guten Sitten. Auß dem Nider- in das Hochdeutsche gebracht durch H. Johann Heinrich Ammann und mit Kupferstükken geziert, vermehret und verlegt durch Conrad Meyern , Mahlern in Zürich. Getrukt im Jahr Christi 1657.
> http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-9837

Vgl. Conrad Meyer, Die Kinderspiele, [Faksimile mit Vorwort] hrsg. von Conrad Ulrich, Zürich: Berichthaus 1970. — Bereits der Herausgeber und Kommentator Conrad Ulrich (1926–2020) hat auf die beiden Bilder-im-Bild hingewiesen!

••• Bild 17: Ein Knabe hat sich vor ein Spielfuhrwerk spannen lassen und wird von einem Mädchen mit einer Rute angetrieben.

Äin unbesinnter nimmt (Obschon sich’s nicht gezimmt)
Für äinen mäister an, den er ermäistern kan.

Fazit im Begleittext: […] Es leben vil in dienstbarkeit die des [davon] woll könten seyn befreyt.

Im Hintergrund links ein Relief: Der in der Gewalt seiner Geliebten Omphale spinnende Herkules

Prinz Alexander und eine Zofe am Hof sind in einander verliebt, so dass Alexander bei seinem Lehrer Aristoteles nichts mehr lernt. Aristoteles beklagt sich beim König Philipp und dieser schmäht das Mädchen. Sie ersinnt eine List: Sie putzt sich heraus und vermag im Baumgarten den alten Aristoteles zu betören. Dieser lässt sich in seiner närrischen Verliebtheit einen Sattel auflegen und ein Zaumzeug in den Mund legen.

(Bie Meyer: Herkules hält bereits den Spinnrocken, wird demnächst sein Löwenfell abgeben...).

Das Motiv ist häufig bildnerisch dargestellt. Antike Quelle u.a.: Ovid, Heroides, Brief IX, Verse 53–118. — Beispiel: Aegidius Sadeler d.Ä. > https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_F-1-152

Oder von Simon Vouet (1590-1649) inv / Michel Dorigny (1616–1665) scps:

Im Hintergrund rechts: Phyllis, die auf Aristoteles reitet. Ebenfalls oft illustriert, z.B. von Hans Baldung Grien 1513 > http://www.zeno.org/nid/20003874559

Oder von Hans Burgkmair:

Vgl. den Artikel von Wolfgang Stammler (1936) im RDK > https://www.rdklabor.de/wiki/Aristoteles

••• In der Zugabe [über Cats hinausgehend] Nummer III: Zikkenspiel

zikken bedeutet: jemanden mit einem kurzen schnellen Stoß berühren. Das Spiel besteht darin, dass ein Kind ein andres blößlich (rasch, nicht stark) berührt und fortrenbt; das Getroffene rennt umgekehrt diesem nach, um einen Gegenstreich auszuführen. Das Spaß liegt beim Widerschlag.

Dieses Zikkenspiel wird emblematisch ausgelegt auf alle Formen der Zwietracht in der Erwachsenen-Welt: Diß Ubel ist gemein in allen der Welt enden / es gibt des Zikkenvolk die mäng/ in allen Ständen. Dann: Männer und Weiber geben einander gerne solche Zikken. Dann:

Ein muster solchen Weibs ist die Philisterin/
im Kupfer fürgemahlt/ genent Laußknisterin:
von deren böser weis erzellen die Geschichten/
daß wider ihren Mann/ vil Tükk sie anzurichten
mit fleiß getrachtet hab: und sonderlich daß sie /
mit fauler titlen ma?ng/ verdrossenheit und müh
ihm zugestattet hab: Laußknister ihn geheissen/
ob er sie gleich halb todt deßwegen pflegt zuschmeissen.
Alß endlich er zur straf sie in das wasser warff/
stekt ihren diser Namm im harten sinn so scharff/
daß da bereit ihr leib zum undergang sich neiget/
sie mit dem daumen noch das Laußknistwerk
gezeiget
ob dem versenkten Kopf. Unholdes Krokodil
zu wasser und zu land, du bist im Zikkenspil zufinden …

Philisterin ≈ Weib im verächtlichen Sinn
Lausknicker ≈ schäbiger Geizhals

Diese Szene ist links im Hintergrund klein dargestellt:

• Die Novelle war bekannt aus: Die satirischen Schrifte von Wolfhart Spangenberg 1610 (= Ergänzungen zu Fischart Flöh-Hatz):

Er hett daheim ein Böses Weib
und lebte stets im zank und keib,
thet er jhr etwas zum verdrieß,
alsdann sie jhn läußknicker hieß.
und wann er sie gleich hett erschlagen,
so kont sie doch nit anders sagen,
noch den läußknicker nahmen lassen.
.....
Als balt er die Zöpff gehen ließ
Vnd sie vollend hinunder stieß,
Das ihr das Wasser gieng in Mund
Vnd sie kein wort mehr reden kund.
Da strecket sie am selben end
Frey auß dem Wasser beyde Händ,
Vnd macht mit beyden Daumen frey,
Als wann sie Läuse Knickt
darbey
Vnd zeigt im werck noch jmmer hinn,
Das sie noch steiff hett imm Sinn,
Mit Schmach vnd Spott zunennen zwar
Ein Läuß Knicker, Wie Er auch war.
Vnd solchs trieb sie so lang darneben,
sie auffgeben must ihr Leben.

Johann Fischart Sämmtliche Dichtungen, hg . Heinrich Kurz, Band 2, Leipzig 1866 (Deutsche Bibliothek IX), die Stelle S. 154ff.
Kurz schreibt in der Einleitung S. XII, es gebe von Spangenberg ein Exemplar in Zürich; tatsächlich: Signatur: Gal Ch 246. Das heisst: das Buch gabs in der Bürgerbibliothek und Johann Wilhelm Simler (von dem bestimmt der Text in der Zugabe  stammt) war seit 1632 Kurator daselbst!
> https://archive.org/details/smmtlichedicht02fiscuoft/page/154/mode/2up

• Ein Bild dieser Szene gibt es sodann in diesem Buch:

Mala Gallina, Malum Ovum, Das ist: Wie die Alten sungen, so zwitzern die Jungen: Im Zweyten Centi-Folio Hundert Ausbündiger Närrinnen Gleichfalls in Folio, Nach voriger Alapatrit-Pasteten-Art, So vieler Narren Generis Masculini, […] Allen Ehr- und Klugheit-liebenden Frauenzimmer zur lustigen Zeit-Vertreib und wohlgemeinten Warnung In Hundert schönen Kupffern moralisch vorgestellt, Wien 1713
> https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/abraham1713/0247/image,info,thumbs

• Noch eine Variante, ein Schwank aus dem Jahr 1729:

Es war ein halsstarriges und böses Weib, welche immerdar ihren Mann einen Hahnrei zu nennen pflegte. Ob es nun wohl wahr sein konnte, weil er dem äusserlichen Ansehen nach ein guter, einfältiger Mann war, so konnte er doch in der Länge solche Schmach von einem bösen Weib nicht mehr vertragen, sondern entschloss sich, ihres bösen Mauls wegen sie zu züchtigen. Damit er nun dieses ins Werk richtete, stellte er sich, als wollte er sie in einen Garten spazieren führen, und brachte sie an das Ufer eines Flusses, an einen einsamen Ort. Daselbst hat er sie bei den Haaren genommen und bis an den Hals hineingetunkt und zu ihr gesagt: »Du böses Weib, willst du mich nicht mehr einen Hahnrei nennen?« Sie kehrte sich aber nicht daran, sondern fuhr fort, ihn also Zu heißen; darauf er sie bis an das Maul ins Wasser gestoßen. Sie aber hörte gleichwohl nicht auf, ihn zu schmähen, und da das halsstarrige Weib nicht mehr reden konnte, so hob sie noch ihre Hände auf und machte Hörner mit den Fingern. Deswegen sie dann auch der Mann, weil er mit ihr sonst nichts ausrichten konnte, gar ertränkte.

aus: Deutsche Schwänke, hg. Leander Petzold, (RUB 9954), Stuttgart 1979, Nummer 202

• Conrad Ulrich erwähnt in seinem Faksimile mit Erläuterungen, Zürich: Berichthaus 1970 die Geschichte aus Johann Peter Hebel, Schatzkästlein 1811:

Daraus: Da hob die Frau noch einmal die Arme aus dem Wasser empor, und drückte den Nagel des rechten Daumes auf den Nagel des linken, wie man zu thun pflegt, wenn man einem gewissen Thierlein den Tod anthut, und das war ihr Letztes.
> http://www.zeno.org/nid/20005020476

Zweites Beispiel: Hintersinn in Bildern an der Wand

Nutzliche Zeitbetrachtung / fürgebildet Durch Conrad Meÿern, Maalern in Zürich, [erschlossen 1675]; Zehen Jahr

Die Mutter Susanna (1614–1679), c. 45jährig
LM Elisabetha = Lisbeth etwa zehnjährig
Dietrich d. J. (*1651 )
noch ohne Mappe Johannes d. J. (*1655)
im Laufgestell Margareta † 1660

Das Bild mitsamt dem Text hier > https://www.e-rara.ch/zuz/content/zoom/15596181

(1) Man betrachte das an der Wand links angebrachte Bild und lese dazu den Text (von Johann Wilhelm Simler [1605–1672]):

So treibe by Zeiten dieselbe [sc. die Jugend] zur Tugend:
Am pflantzen wils ligen. Drum beüge die Zweige,
Vom bösen sie trenne, zur Arbeit sie neige.

Vergrößerbares Digitalisat der ganzen Seite
> https://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/15596181

Es handelt sich offensichtlich um das Neujahrsblatt von Conrad Meyer:

Einer zartblühenden Jugend ab der Burgerbibliothek für das 1650 Jahr:

... mit dem zur zartblühenden Jugend passenden Thema: Jung gebogen, recht gezogen.

Die lieben Kinderlein den Zweiglinen nacharten,
weil sie zubiegen seind, eh sie zu alt erharten
[…]
Dann wie ein alter Baum nicht anders wird gebogen,
so bleibet auch der m änsch gleich wie er ist erzogen.
Drum, wer an Kindern wil erleben freüd und ehr,
der spar an ihnen nicht die r?ten zucht und lehr.

Das Bild vom jungen Holz, das noch ›biegsam‹ ist, hat seinerseits ein Vorbild in der Emblematik des 16. Jahrhunderts:

Matthias Holtzwart: Emblematum Tyrocinia, sive picta poesis Latinogermanica, das ist eingeblümete Zierwerck oder Gemälpoesy innhaltend allerhand Geheymnußlehren durch kunstfündige Gemäl angepracht und poetisch erkläret, Nun erstmals inn Truck kommen, Straßburg 1581; Emblema II: Liberos in iuuentute flectendos.

Die Idee wurde auch von anderen Autoren verwendet; sinnvollerweise für ein Titelblatt eines Buches zur Erziehung:

Wegweiser Zur Höflichkeit. Sampt Beygefügter Hauß-Regel/ Wie Ein jedweder in seinem Stand sein Haußwesen anstellen und vollführen sol. Allen Jung und Alt sehr nützlich und dienlich; Neben einem ordentlichen Register. Zum andern mahl in Truck gegeben. Franckfurt: Zunner 1665.

Zitiert wird das Bild dann auf: An die lernbegierige Zürcherische Jugend auf den Neujahrstag 1805 Von der Gesellschaft auf der Chorherren. 27.Stück — Thema ist, wie die Kinder um 1750 in der Schule und daheim gehalten wurden. Das von Johann Martin Usteri (1763–1827) gezeichnete Titel-Kupfer: Eine Mutter zeigt ihren Kindern ein Neujahrsblatt. Die Kinder schauen das Bild an, die Mutter liest ihnen dazu dann den Text vor. Das Bild-Arrangement ist von C.Meyer übernommen; aber noch mehr:

In dem Möbel (oberhalb der Köpfe der beiden Kinder) hängt das 200 Jahre ältere Bild:

(2) Nochmals zum Bild Nutzliche Zeitbetrachtung von Conrad Meyer:

Das mittlere Bild oben an der Wand zeigt zwei Leute, die Weinfässer abfüllen; der Text dazu:

Ein neües Geschihre pflegt bleibender gstalten [?]
Des ersten ein gusses geruch zu behalten.

Das beruht auf einem Zitat: Quo semel imbuta est recens servabit odorem testa diu ≈ Den Geruch, mit dem ein neues Gefäß einmal erfüllt ist, wird es lange bewahren. (Horaz epist. I, ii, 69)

Auch diese Idee findet sich in der Emblematik:

Man sagt gemein/ daß der Geschmack/
Der in ein neuwen Hafn sich pack/
Gar boeß darauß sey zuuertreibn/
Er thue jhm gmeinlich allzeit bleibn.
Das schickt sich vff den Menschen fein/
Was jhm einmal gepflantzet ein/
Vnd gleichsam eingewurtzelt ist/
Das verlester zu keiner frist:
Bevorab was man in der Jugnd
Gewonth/ sey Laster oder Tugnd/
Wann es so bey den zarten Jahrn/
Augeklebtt/ wie man dick erfahrn/
so wil sicht schwerlich waeschen ab/
[…]

Jacob Zetter, Speculum virtutum & vitiorum : Darinnen nicht allein Tugend und Erbarkeit/ Zucht und gute Sitten/ Wie auch Laster/ und Untugend/ sondern auch der Welt mores, artig und anmühtig/ Beydes durch Kunstreiche Kupffer/ als auch artige Teutsche Historische und Moralische Reimen werden abgemahlet und fürgebildet. Francofurti: Zetter 1644.
> http://diglib.hab.de/drucke/lo-8314/start.htm

Bei Otto van Veen (1556–1629) ist das Hauptbild und die Mise-en-Abime umgekehrt gezeigt: im Vodergund wird das Geschirr begossen; das Bild hinten an der Wand zeigt Kinder in der Schulstube:

Ein fas reucht stets nach dem/ damit es eingeweihet.
Ein akker bringet frucht/ nachdem man saamen streuet.
Also/ was ein gemüht in erster jugend fasst/
das bleibet/ nach als vor/ fast stets derselbe gast.

Hier aus: Moralia Horatiana: Das ist Die Horatzische Sitten-Lehre / Aus der Ernst-sittigen Geselschaft der alten Weise-meister gezogen / und mit 113 in kupfer gestochenen Sinn-bildern / und ebenso viel erklärungen und andern anmärkungen vorgestellet: Itzund aber mit neuen reim-bänden gezieret / und in reiner Hochdeutschen sprache zu lichte gebracht durch Filip von Zesen, Amsterdam: Kornelis de Bruyn 1656. (Erstausgabe Antwerpen 1607)

(3) Das Bild im Bild rechts an der Wand zeigt einen ein Buch und eine Fitze (Gerte, Zuchtrute) haltenden Mann mit Hunden; einer frisst aus einem Hafen; ein zweiter Hund jagt einen Hasen.

Auch hiezu gibt es emblematische Vorbilder: Johann Fischart hat im »Philosophisch Ehzuchtbüchlin« ein Kapitel Von der Kinderzucht. Er beschreibt einen Test nach der verschiedenen Aufzucht der Hunde (Gewöhnung an Fraß bzw. Weidwerk):

Lycurgus der Lacedemonische Gesatzstiffter/ nam auff ein zeit ein par Hündlin einer zucht/ zog die mit fleiß gar vngleicher weiß auff: daß ein ließ er zu allem fraß mutwill zartlichkeit vn geylheit vnartlich erwachsen: Daß ander hielt er streng zur Spur/ dem jagen vnd Weydenwerck an. Den Bürgern von Sparta führt er die beiden Hunde vor: Er setzt ihnen eine Suppenschüssel und einen lebendigen Hasen vor. Der Fraßwanst rennt hierhin und der weidliche Jagdhund dorthin.

Daher noch tägliches geschicht/
Das man thut/ nach dem man ein ziecht.
Welchen man zu dem Hafen ziecht
Der dencket nach dem Ha?en nicht /
Welchen man nach dem Ha?en gewenet
Derselb nicht nach dem Hafen rennet.
Welchen auffs Lotterbett man ziehet
Derselb darnach die Strew stats fliehet
[usw.]

Das Philosophisch Ehzuchtbüchlin. Oder, Des Berümtesten vnd Hocherleuchtesten Griechischen Philosophi, oder Natürlicher Weißheyt erkündigers vnd Lehrers Plutarchi Naturgescheide Eheliche Gesaz, oder Vernunft gemäse Ehegebott, durch anmutige lustige Gleichnussen ganz lieblich getractiret: Sam[m]t desselbigen auch Gründlichem Bericht von gebürlicher Ehrngemäser KinderZucht. […] J. F. G. M. Straßburg 1578.

(4) Das Töchterchen im Laufwagen – ist das ein realistisches Detail oder kann man einen tieferen Sinn darin vermuten?

Das Motiv wurde öfters als Emblem verwendet; hier zwei Beispiele:

   

links: Julius Wilhelm Zincgref (1591–1635): Sapientia Picta. Das ist/ Künstliche Sinnreiche Bildnussen und Figuren : darin[n]en denckwürdige Sprüch und nützliche Lehren im Politischen und gemeinen Wesen durch hundert schöne newe Kupfferstück vorgebildet/ entworffen/ und durch teutsche Reymen erkläret werden. Franckfurt: Marschall, 1624. Kein Mensch so bald vollkommen ist/ Jeder findt noch das ihm gebrist …

rechts: Hermann Hugo, Übersetzung der »Pia Desideria«: Gottselige Begirde. Aus lautter sprüchen der Heÿligen Vättern Zusamen gezogen Vnd mitt schönen figuren gezieret / durch R. P. Hermannum Hugonem ... Verteütscht Durch R. P. F. Carolum Stengelium, Augspurg: Schönig, 1627; II,18. Text dazu: Psalm 16 [17], 5: Erhalt meinen gang auff deinen Fuoßsteygen/ das meine Tritt nit schlupfferen.

(5) Und was bedeutet der Hirsch auf der Schultasche von Dietrich?

Dietrich ist sicherlich in die Lateinschule im Fraumünster gegangen; der Legende nach wurde das Fraumünster durch Hildegard und Berta gegründet, die einem Hirsch folgten, der brennende Lichter auf seinem Geweih trug. An der Kapelle, wo sie dann beteten, soll das Fraumünster gebaut worden sein.

Das Fresko im Kreuzgang des Fraumünsters war freilich nach der Reformation abgedeckt. Franz Hegi kanne das Bild (hier) 1850 rekonstruieren.
Vgl. das Bild in dieser Handschrift > https://www.e-codices.unifr.ch/de/kba/0016-1/49

Drittes Beispiel: (nochmals) Hintersinn in Bildern an der Wand

Sterbensspiegel/ das ist sonnenklare Vorstellung menschlicher Nichtigkeit durch alle Ständ' und Geschlechter: vermitlest 60. dienstlicher Kupferblätteren/ lehrreicher Uberschrifften/ und beweglicher zu vier stimmen außgesetzter Todtengesängen. Vor disem angefangen durch Ruodolffen Meyern S. von Zürich etc. jetz aber […] zu End gebracht und verlegt durch Conrad Meyern, Maalern in Zürich und daselbsten bey ihme zufinden Getrukt zu Zürich/ Bey Johann Jacob Bodmer 1650.
> https://doi.org/10.3931/e-rara-9833

An der Wand im Zimmer hängt ein Bild, das die Szene der Belästigung von Susanna durch die beiden Männer (Daniel 13) zeigt. Bedeutet das, dass die Frau immer ein keusches Leben geführt hat – oder hätte führen sollen?

Vorbild für das Bild an der Wand könnte gewesen sein: Rubens in Kopie von Paul Pontius oder Michel Lasne :

Die Frau im Sterbensspiegel wird von zwei Skeletten heimgesucht – eine Assoziation an die beiden (in der Bibel hingerichteten) Alten?

Viertes Beispiel: Gefangene besuchen

Hier ist die zweite Sinn-Ebene nicht markiert durch einen Bilderrahmen, sondern in die Realität des Hauptbilds eingefügt:



[aus der Serie Werke der Barmherzigkeit] / Conrad Meÿer invenit, fecit, et excudit [6 undatierte Blätter, auf dem Titelblatt: Matth 25,34: Venite benedicti … Kommet här ihr gebenedeyten meines Vatters....]
> https://doi.org/10.3931/e-rara-11855

Rechts diese Szene: Der Gefängnis geworfene Bürger Cimo{n} wird von seiner Tochter Pero/-a/-us durch Darreichung ihrer Brust genährt und damit vor dem Verschmachten gerettet. — Valerius Maximus V, iv ext. 1 — Ähnliche Erzählung bei Plinius VII xxxvi,121 und in den Gesta romanorum Kap. 215, app.19 — Peter Lauremberg, Acerra Philologica IV,73

Bereits 1544 hat Hans Sebald Beham (1500–1550) diese Szene dargestellt, mit dem Text auf der Säule: ICH LEB VON DER BRVST MEINER DOCHTER:

British Museum > http://tinyurl.com/y6k8g35r

Vgl. dazu: Edmund Wilhelm Braun, Artikel »Caritas romana«,
in: RDK, Bd. III (1952), Sp. 356–362

Fünftes Beispiel:

Das Neujahrsblatt der Bürgerbibliothek Zürich 1675 ist der Schlacht bei Laupen gewidmet. Historischer Hintergrund: Die Burg Laupen wurde von einem 12’000 Mann starken kaisertreuen Heer belagert, die Besatzung hielt stand bis ein Entsatz-Heer (bestehend aus Bernern, Innerschweizern und anderen) eintraf. [Die Schlacht bei Laupen fand 1339 statt, nicht wie auf dem Blatt fälschlich angegeben 1334.]

> https://www.e-rara.ch/zuz/content/zoom/17729317

Seht, wie das kleine Bern mit dreißig tausend krieget
und glücklich sie geschwind vor Laupen auch besieget!
[…] So will Gott stoltze waffen,
und was man Hoffart nennt, mit schand und schaden straffen.

Die Figurengruppe vorn zeigt den Sieg der Alten Eidgenossen über die aufgeputzten, hoffärtigen Adligen. Winzig am Himmel ist eine abstürzende Gestalt erkennbar: Ikarus. Dazu passt die Überschrift: Sequitur Superbos victor a tergo DEUS (≈ Von hinten folgt den Übermütigen als Sieger Gott). Der Satz stammt – leicht verändert – aus dem Drama »Hercules« von Seneca, wo es (Vers 385) heisst: Sequitur superbos ultor a tergo Deus; ultor … Deus: der Rache-Gott.

Die Darstellung von Ikarus ist in den Illustrationen zu Ovid oft anzutreffen (Metamorphosen VIII, 223ff.); hier gleicht sie frappant derjenigen in den Metamorphosen-Illustrationen von Antonio Tempesta, Antwerpen 1606 (rechtes Bild):

   

Sechstes Beispiel:

Das Neujahrsblatt der Bürgerbibliothek Zürich 1654 zeigt Lot mit seinen Töchtern auf der Flucht aus dem brennenden Sodom, wobei (Szene rechts im Hintegrund) die Frau sich zurückwendet und zur Salzsäule erstarrt.

Die Engel sprechen zu Lot: Erredte dein seel, und sihe nit hinder dich, auch stand nit in dieser gantzen ebne: auff dem berg erredte dich, das du nit umbkommist. (Genesis 19,15ff.; Zürcher Bibel 1531)

Links im Hintergrund ist winzig erkennbar ein Pflüger, der sich zurückwendet.

Das bezieht sich auf das Gleichnis: Wär sin hand an den pfluog legt, und sicht zuo ruck, der ist nit geschickt zuo dem reych Gottes. (Lukas 9,62; vgl. Lukas 17,32: Gedenckend an das weyb Lots: wär da suocht sein seel zuo erhalten, der wirt sy verlieren …)

In Sebastian Brants »Narrenschiff« (Kapitel 8) ist der nicht fremdem Rat Folgende als ein beim Pflügen zurückschauender allegorisiert; und es wird die Parallele zu Lots Frau gezogen:

Hier das Bild aus der lat. Ausgabe: Stultifera nauis Narragonie, […] Schönsperger 1497.

Siebentes Beispiel:

Das Bild in Fünff und zwenzig bedenkliche Figuren mit erbaulichen Erinnerungen von 1673 ist offensichtlich von Rollenhagen / de Passe (Nucleus Emblematum, 1611, Emblem Nr. 40; siehe oben) inspiriert.

Nichts wüssen, ist vil wüssen

Rollenhagen: ≈ Das Licht zieht die Mücken an, und was sie anfliegen bringt sie um.

Meyer /Simler deuten das Emblem ins Theologische um:

Wer, was ihm Gott verdekt, auß fürwitz wil ergründen, der blendet sich im Liecht, und mag nicht ruohe finden.
Im Begleittext wird unter anderem zitiert:
Denen Dingen, die dir zuschwer sind, frage nicht nach […]. Dann du bedarffest nicht verborgener Dingen. (Jesus Sirach 3,21–23).

Die Szene im Hintergrund rechts visualisiert die Legende vom hl. Augustinus (mit Mitra und Bischofsstab) und dem Knaben mit strahlendem Nimbus, der das Meer ausschöpfen will.

Man erzählt vom Kirchenvater Augustinus (354–430), dass er einmal während eines Spaziergangs am Meeresufer in grosser Ratlosigkeit nach einer Erklärung für die Lehre von der Trinität suchte. Da bemerkte Augustinus, wie ein kleiner Junge mit einer Muschel Wasser aus dem Meer schöpfte und es dann in ein Loch goss, das er im Sand gegraben hatte. «Was machst du denn da, mein Kind?», fragte er ihn. Darauf sagte der Knabe: «Ich schöpfe das Meer aus und giesse es in dieses Loch.» Augustinus schalt den Jungen einen Narren, der aber stand auf und sagte: «Du glaubst klüger zu sein; Du meinst mit deinem Verstand die Ewigkeit begreifen zu können.» Mehr dazu hier

Die Szene links im Hintergrund:

Kontrast: Der blinde Blindenführer (Matth. 15,14; Luk. 6,39), der das Licht nicht sieht, fällt in eine Grube und führt andere mit hinein. Links oben fliegen eine Eule und Fledermäuse, lichtscheue Tiere mit üblem Leumund.

Blindensturz nach Breughel > http://kk.haum-bs.de/?id=jode-g-d-exc-ab3-0152

Literaturhinweise zu Conrad Meyer:

Martina Sulmoni, ›Einer Kunst- und Tugendliebenden Jugend verehrt‹. Die Bild-Text-Kombinationen in den Neujahrsblättern der Burgerbibliothek Zürich von 1645 bis 1672, Bern: Lang 2007 (Deutsche Literatur von den Anfängen bis 1700; Band 46).

Aufsatz von P.Michel, Das Bild im Bild als kommunikatives Verfahren bei Conrad Meyer, in: Mühlsteinkragen und Totentanz. Der barocke Grafiker und Maler Conrad Meyer (1618–1689) aus Zürich, hg. von Matthias Oberli (u.a.), Basel: Schwabe-Verlag 2025. S. 205–221.

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Romeyn de Hooghe (1645–1708)

Er hat dieses Buch mit 41 Kupfertafeln illustriert (Erstausgabe 1673?):

David Chertablon de la Vigne [ca. 1614–1684], La manière de se bien préparer à la mort. Antwerpen: George Gallet, 1700.
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bd6t53789954x

Bei allen Szenen von Sterbenden erscheint im Hintergrund ein Bild mit einem Ereignis aus der Vita Jesu. Meistens zeigt ein Engel am Totenbett darauf. Erbauliche Texte erläutern die Tafeln.

Ein Beispiel:

Tafel 21 / Text S.44: Veranschaulichung des Parikulargerichts: Der Teufel will die Hoffnung des/der Sterbenden erschüttern, der Engel dagegen stärkt ihn/sie: "Wer die Sünden gebeichtet hat, dem vergibt sie der Herr." (mit Verweis auf 1.Joh.-Brief 1,9)

Das Bild-im-Bild weist darauf hin: So hat des Teufels Gesandter, Kaiphas zu Jesus gesagt, er habe den Tod verdient.

Das Bild zeigt Jesus vor dem Hohepriester Kaiphas, der ihn der Gotteslästerung anklagt und sagt: "Worauf erkennt ihr? Und sie antworteten: "Er ist des Todes schuldig." (Matth. 26,66)

Abraham a Sacta Clara (1644–1709) hat das Buch 1702 übersetzt [danke!] — in der zweiten Auflage wurden dann die Bilder in Kopie beigefügt:

im Text: Auf GOtt hoffen und vetrauen/ ist wider des Teuffels Gauen.

Sterben und Erben, Das ist: Die schönste Vorbereitung zum Tode. Oder Sicherste Art zu sterben, und die Seeligkeit zu erben. Durch Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens, unsers eintzigen und liebsten Heylandes Jesu Christi. Mit andächtigen, höchst-nothwendigen Seelen-eifrigen Krancken-Gebetern versehen; Auch mit 41. dienlichen Kupffern verfertiget / von dem durch Teutschland sehr berühmten Wohl-Ehrwürdigen P. Abraham à S. Clara, Augustiner-Baarfüsser-Ordens, weyland Kayserl. Pred., Zweyte Auflage. Wienn: Krauß 1741.
> http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN722303971

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Gottfried Eichler (1715–1770)

In einer späten Überarbeitung der »Iconologia« von Cesare Ripa (1603) werden die Attribute der Personifikationen im Gegensatz zu Ripa nicht erklärt, sondern es wird … jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. Den Personifikationen sind biblische, heidnisch-antike und profane Szenen beigegeben, die denselben Begriff als Exemplum wiedergeben.

In dem von Gottfried Eichler d. J.; Entwerfer der Zeichnungen) u.a. gestalteten Buch ist zu jedem der 200 Begriffe eine Geschichte hinzugefügt. Vgl. die Legenden in: Ilse Wirth (Hg.), Des berühmten italiänischen Ritters Caesaris Ripae allerley Künsten und Wissenschafften dienliche Sinnbilder und Gedancken, verlegt bei Johann Georg Hertel in Augsburg. München: Wilhelm Fink Verlag 1970.

Des berühmten Italiänischen Ritters, Cæsaris Ripæ, allerleÿ Künsten, und Wissenschafften, dienlicher Sinnbildern, und Gedancken, Welchen jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. dermahlige Autor, und Verleger, Joh. Georg Hertel, in Augspurg [vor 1761].
> http://archive.org/details/parsidesberuhmte00ripa

Erstes Beispiel: Personifikation der Keuschheit und ein Beispiel dafür

Vorne die Personifikation der CASTITAS Keuschheit — Im Hintergrund wird die Szene gezeigt, wo die beiden alten Lüstlinge Susanna bedrängen: … und wollten sie zwingen, mit ihnen zu schlafen. Sie drohten, sie ansonsten zu beschuldigen, Ehebruch mit einem jungen Mann begangen zu haben. Doch Susanna blieb standhaft, weigerte sich und schrie. (Daniel 13,1–64):

Die Szene wird häufig dargestellt; hier der Holzschnitt von Tobias Stimmer aus: Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien / grüntlich von Tobia Stimmer gerissen: Und zu Gotsförchtiger ergetzung andachtiger Hertzen mit artigen Reimen begriffen durch J. F. G. M / grüntlich von Tobia Stimmer gerissen, Zu Basel bei Thoma Gwarin, Anno 1576

Eine andere Deutung der Szene hier

Das Sieb, das neben der Personifikation der Keuschheit (unter ihrem linken Ellbogen) liegt, ist ebenfalls bedeutsam. Die Vestalin Tuccia, des Inzests angeklagt, trug Wasser in einem Sieb als Beweis ihrer castitas (Valerius Maximus VIII, i, abs.5; Augustinus, de civitate Dei X,16).

Cesare Ripa, Nova iconologia. Paduva: Paolo Tozzi 1618
> https://archive.org/details/novaiconologia00ripa

Zweites Beispiel: Das Laster

VITIUM

Parce, precor, fulmenque tuum fera tela reconde
    Tullia placandi spem mihi tolle tui.

Gewähre Schonung, ich bitte dich, und birg deinen Blitz und die grausamen Pfeile, Tullia, gib mir die Hoffnung, du könntest dich besänftigen lassen. (Übes. Ilse Wirth)

   Daß Laster.

Tullia sehr übel lohnet.
nicht deß eignen Vaters schonet.

Hier vergrößert: Tullia, die ihren Vater überfährt, wir kennen wir bereits.

Hier die Variante von Ludolf Smids (1649–1720):

Pictura Loquens, Sive Heroicarum Tabularum Hadriana Schoonebeeck, Enarratio Et Explicatio Ex officina Hadriani Schoonebeek, Amsterdam 1695, wo der text von Ovid abgedruckt ist, und S. 160f. ein Kommentar folgt.
> https://archive.org/details/picturaloquenssi00smid/page/159/mode/1up

Die Personifikation von Vitium als siebenköpfiges Monster stammt aus Cesare Ripa:

Iconologia. Overo descrittione di diverse imagini cavate dall'antichità, e di propria inventione trovate et dichiarate da Cesare Ripa […] Di nuovo revista. Roma: Lepido Faci, 1603.

(mehr Siebenköpfige hier)

Drittes Beispiel: FUROR

Im Hintergrund diese Szene: 1. Samuel 19, 9: Aber der böse Geist vom HERRN kam vber Saul / vnd er sass in seinem hause / vnd hatte einen Spies in seiner hand / Dauid aber spielet auff den Seiten mit der hand. Vnd Saul trachtet Dauid mit dem Spies an die wand zu spiessen / Er aber reis sich von Saul /vnd der Spies fuhr in die wand / Dauid aber floh / vnd entran die selbige nacht. (Lutherbibel 1545)

Die Rasereÿ, Zorn, Grimm

Saul ergrimmt will David spißen
nichts von Thon der Saiten wißen.

Hier die Entsprechung, gezeichnet von Johann Jacob von Sandrart (1655–1698):

Gantz neue Biblische Bilder-Ergötzung: Dem Alter und Der Jugend Zur Beschauung und Erbauung/ Aus dem alten \ neue[n] Testament angestellet und mitgetheilet: Von Johann Andreæ Endters Seel. Söhnen in Nürnberg [ca. 1700]

Viertes Beispiel: AUXILIUM

   Süsse und Beÿstandt.

Rahab läßt die Kundschaffter ein
daß Sie soll künfftig sicher seÿn.

Im Hintergrund ist die Hilfe-Spendende Rahab an der Mauer dargestellt, die die Spione über die Mauer entkommen lässt; wir kennen wir bereits:

Es fragt sich, was der Vogel bei der Personifikaiton von Auxilium bedeute. Es könnte ein Kranich (mehr dazu hier!) sein, der nur auf einem Bein steht, während er mit anderen Fuß einen Stein hält – dies müsste indessen auf dem Bild sichtbar sein.

Wahrscheinlicher ist es ein Storch, der in der Embematik als Allegorie der Hilfsbreitschaft gilt:

Peter Isselburg. Emblemata Politica. In aula magna Curiae Noribergensis depicta ; Quae sacra Virtutum suggerunt Monita Prudenter administrandi Fortiterque defendendi Rempublicam, Nürnberg 1617:

Pro nido et pullis rostrata Ciconia pugnat;
Pro ciuitate et vrbe dimicat Rex bonus.

[≈ Der Storch kämpft für sein Nest und seine Küken; Der gute König kämpft für seine Stadt und seine Heimat.]

Ein Storch für sein Jungen im nest/
Streit/ vnd jhm keins entziehen lest
von den Raubvöglen/ spart kein müh
Biß er von denn
[von dannen] getrieben sie.
    Ein Fürst ja alle Obrigkeit/
    Billich für die sein
[wohlwollend für die Seinen] kriegt und streit.

Dazu passt der Mann, der wie ein (antiker) Sieger mit dem Lorbeerkranz gekrönt ist.

Und der ruinöse Torbogen?

Fünftes Beispiel: Der Neid (INVIDIA) — im Hintergrund ein Exemplum

> http://www.symbolforschung.ch/Lasterallegorien.html#invidia2

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