Bilder von Gott

     
 

Kein Bildnis von Gott — anthropomorphe Bilder von Gott

»Jeder Gott ist Bildwerdung einer Erfahrung.«
(Othmar Keel, 26.5.2000)

 

Das Heilige / Numinose erscheint in Bergen, Tieren, Gestirnen, aus dem Feuer, in fascinosen Monstren und anderen Hierophanien wie beispielsweise einem Gottkönig, in Träumen und ekstatischen Zuständen von Gläubigen, in ›un-natürlichen‹ Wundern. – In der folgenden stark vereinfachenden Darstellung geht es nur um anthropomoprhe (menschen-förmige) Visualisierung des Göttlichen in der christlichen Ikonographie. Andere Religionen werden nicht behandelt, so interessant dies wäre.

••• Gott selbst verbietet im Dekalog den Menschen, sich ein Bild von ihm zu machen:

Du solt dir kein Bildnis noch jrgend ein Gleichnis machen / weder des das oben im Himel / noch des das vnten auff Erden / oder des das im Wasser vnter der erden ist. Bete sie nicht an / vnd diene jnen nicht (Exodus 20,4–5 nach der Übersetzung Luthers 1545; vgl. die Stelle Deuteronomium 5,8–9)

Der Prophet Jesaias verspottet die Hersteller von Götzenbildern (Jes 44,9–20):

Die Götzenmacher sind allzumal eitel / vnd jr Köstlichs ist kein nutz […] Wer sind sie die einen Gott machen / vnd götzen giessen / der kein nütze ist? […] Es schmidet einer das Eisen in der Zangen / erbeitet in der glut / vnd bereitets mit Hemmern / Vnd erbeitet dran mit gantzer krafft seines Arms / leidet auch Hunger bis er nimer kan / trincket auch nicht wasser / bis er matt wird. Der ander zimert Holtz / vnd missets mit der Schnur / vnd zeichets mit Rötelstein / vnd behewet es / vnd cirkelts abe / vnd machtes wie ein Mansbilde / wie einen schönen Menschen / der im Hause wone. Er gehet frisch dran vnter den Bewmen im walde / das er Cedern abhawe / vnd neme Buchen vnd Eichen […]. Er machet einen Götzen daraus / vnd kniet dafur nider. Die helfft verbrennet er im fewr / vnd vber der andern helfft isset er fleisch / Er brett einen Braten vnd settiget sich / wermet sich auch / vnd spricht / Hoia / Jch bin warm worden / ich sehe meinen lust am fewr. Aber das vbrige machet er zum Gott / das sein Götze sey / dafur er kniet vnd niderfellet / vnd betet / vnd spricht / Errette mich / Denn du bist mein Gott. (Luther 1545)

Jesaias 45,15: Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott. – Vere tu es Deus absconditus.

Paulus verwahrt sich gegen eine Sehbarkeit Gottes, wenn er sagt: Als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. (2. Kor 5,7)

1.Timotheus 6,16: der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag.

Ein verwandter Gedanke findet sich in der Areopag-Rede des Paulus (Apostelgeschichte 17,16–34), wo dieser den Athenern sagt, er habe in der Stadt einen Altar mit der Aufschrift »Dem unbekannten Gott« gesehen, und: Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das will ich euch jetzt verkündigen. Vgl. dazu: Eduard Norden, Agnostos Theos, Leipzig/Berlin: Teubner 1913. > https://archive.org/details/agnostostheosunt00norduoft

Paulus scheint die Sehbarkeit Gottes eschatologisch hinauszuzögern, wenn er schreibt: Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. (1. Kor 13,13)

Solche Ansichten wurden dann gestützt bei der Assimilation platonischen Gedankenguts in der christlichen Tradition. Die Sehbarkeit des ›Wesentlichen‹ wird bekanntlich im Platonismus abgewertet; die Ideen sind jenseits der Sphäre des Sichtbaren.

Berühmt sind sodann Sätze von Augustinus (354–430), die er bei der Beschreibung eines mystischen Moments sagt: Ich schaute mit den Augen meiner Seele das allumfassende, unwandelbare Licht, das von einer ganz anderen Art als das kreatürliche ist: Nein, nicht also, sondern anders, ganz anders und gewaltig von alledem unterschieden – aliud valde ab istis omnibus (Confessiones VII, x, 16). Und: Wenn Du es verstehst, dann ist es nicht Gott – si comprehendis non est Deus (Sermo 52,16 in: Patrologia Latina 38,360).

In der Erkenntnistheorie verbietet der Satz, dass Gleiches nur durch Gleiches erkannt werden kann, eine leibliche Anschauung Gottes. Das Theorem wurde angedacht bereits von Empedokles (Fragment Diels/Kranz, Vorsokratiker, Nr. 109); zitiert und auf den Punkt gebracht von Aristoteles Met. III 4, 1000b 6: hê gnôsis tou homoiou tô homoiô. – Vgl.: Artur Schneider, Der Gedanke der Erkenntnis des Gleichen, in: Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters; Texte und Untersuchungen. Supplementband, Band 2 = Festgabe Clemens Bäumker, Münster 1923, S.59–76. > https://books.google.ch/books?id=wFApAQAAIAAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Xenophanes (gest. nach 355) verspottet anthropomorphe Gottesvorstellungen auf seine Art:

Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden, wie jede Art gerade selbst das Aussehen hätte. Die Äthiopen behaupten, ihre Götter seien schwarz und stumpfnasig, die Thraker, blauäugig und rothaarig. (Diels / Kranz, Vorsokratiker, Nr. 15)

••• Das Gebot, sich von Gott kein Bildnis zu machen, wurde aber in der christlichen Ikonographie immer wieder missachtet: Gott wird anthropomorph dargestellt, wobei verschiedene Bibelstellen (oft simplifizierend) in Anspruch genommen werden konnten:

Genesis 1,29: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis.

Jesaias 6,1ff: Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. – Ähnlich Daniel 7,9: Ich sah immer noch hin; da wurden Throne aufgestellt und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reine Wolle.

Auch ein naives Verständnis von Stellen bei Paulus, wo Christus (den man ja abbilden darf) als Bild Gottes bezeichnet wird (2 Kor 4,4 und Kol 1,15), mag einer solchen Darstellung Vorschub geleistet haben. Die Diskussion der Stelle führt im übrigen zu schwierigen dogmatischen Problemen (Häresie des Doketismus).

Berühmt sind die Passagen aus Briefen Gregors des Großen († 604), in denen er sich für Bilder zugunsten der Gläubigen, die nicht lesen können, ausspricht (wobei hier nicht gesagt wird, dass es sich um Bilder von Gott handelt: Gegen den Papst (!) Gregor sind die Reformierten Sturm gelaufen (vgl. J. J. Berns 2014).

Epistola IX, cv Ad Serenum Massiliensem Episcopum (PL 77, 1027). Der Brief richtet sich gegen eine ikonoklastische Aktion, die Papst Gregor bekannt wurde:

Praeterea indico dudum ad nos pervenisse quod fraternitas vestra, quosdam imaginum adoratores aspiciens, easdam in ecclesiis imagines confregit atque projecit. Et quidem zelum vos, ne quid manufactum adorari posset, habuisse laudavimus, sed frangere easdam imagines non debuisse indicamus. Idcirco enim pictura in ecclesiis adhibetur, ut hi, qui litteris nesciunt, saltem in parietibus videndo legant quae legere in codicibus non valent. Tua ergo fraternitas et illas servare, et ab earum adoratu populum prohibere debuit, quatenus et litterarum nescii haberent unde scientiam historiae colligerent, et populus in picturae adoratione minime peccaret. Auch gebe ich Euch kund, es sei Uns schon vor längerer Zeit zu Ohren gekommen, Eure Brüderlichkeit habe in den Kirchen Bilder zertrümmert und hinausgeworfen, weil einige Leute sie angebetet hätten. Wir loben es zwar, dass Ihr Eifer gegen die Anbetung von Menschenwerken gehabt habt, aber müssen Euch doch sagen, dass Ihr diese Bilder nicht hättet zertrümmern sollen. Denn darum werden in den Kirchen Gemälde verwendet, damit die des Lesens Unkundigen wenigstens durch den Anblick der Wände lesen, was sie in Büchern nicht zu lesen vermögen. Deine Brüderlichkeit hätte sie also belassen, wohl aber das Volk von ihrer Anbetung abhalten sollen, damit einerseits die des Lesens Unkundigen Gelegenheit haben, sich die Kenntnis der hl. Geschichte zu erwerben, anderseits aber das Volk nicht durch Bilderanbetung sündige.

Epistola XI, xiii Ad Serenum Massiliensem Episcopum (PL 77, 1128)

Aliud est enim picturam adorare, aliud per picturae historiam quid sit adorandum addiscere. Nam quod legentibus scriptura, hoc idiotis praestat pictura cernentibus, quia in ipsa etiam ignorantes vident quid sequi debeant, in ipsa legant qui litteras nesciunt. Unde et praecipue gentibus pro lectione pictura est. […] Frangi ergo non debuit quod non ad adorandum in ecclesiis, sed ad instruendas solummodo mentes fuit nescientium collocatum. Etwas anderes ist es ja, ein Gemälde anzubeten, und etwas anderes, aus dem Gemälde den Gegenstand der Anbetung kennenzulernen. Denn was die Schrift denen bietet, die lesen können, das bietet ein Gemälde den Gläubigen, die nicht lesen können. Dasselbe stellt auch den des Lesens Unkundigen ein nachahmungswürdiges Beispiel vor Augen und lehrt so ohne Buchstaben zu lesen. Darum sind die Bilder vorzüglich für die Heiden anstatt der Lektüre geeignet. […] Was also nicht zur Anbetung, sondern nur zur Belehrung der Unwissenden in der Kirche aufgestellt war, das hätte nicht zertrümmert werden sollen.

 

••• Das Problem der Unabbildbarkeit bzw. der Visualisierung des nicht Sehbaren stellt sich besonders in illustrierten Bibeln bei Szenen, wo Gott handelnd auftritt. Hier werden einige Beispiele vorgeführt aus der Schöpfungsgeschichte (Genesis) und der Geschichte, wo Gott dem Moses im Dornbusch sich offenbart (Exodus 3,1ff.)

Es gibt keine lineare historische Abfolge vom menschengestaltig dargestellten Gott zu einem ›vergeistigten‹ Gottesbild. In früheren Darstellungen finden sich bereits abstrakte Gottesbilder, und in späten kommt noch der bärtige Mann vor. Aus diesem Grunde sind die Beispiele hier nicht nach Typen sortiert, sondern einfach chronologisch dargeboten.

 

Literaturhinweise

Zum Bilderverbot in der hebräischen Bibel: Artikel »Bilderverbot (AT)« von Michaela Bauks auf www.bibelwissenschaft.de

Erik Hornung, Der Eine und die Vielen. Ägyptische Gottesvorstellungen, Darmstadt: WBG 1971.

Othmar Keel, Jahwe-Visionen und Siegelkunst (SBS 84/85) Stuttgart 1977.

Artikel »Gott, Gottvater« in: Engelbert Kirschbaum / Wolfgang Braunfels u.a. (Hgg.), Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg 1968–1976, Band 2, Sp. 165–170.

Karl-August Wirth, Artikel Feuersäule (Wolkensäule, Lichtsäule) in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte = RDK VIII (1983), 422–498.

Jörg Jochen Berns, Von Strittigkeit der Bilder: Texte des deutschen Bildstreits im 16. Jahrhundert, Berlin: De Gruyter, 2014 (Frühe Neuzeit; Band 184) (2 Bände; 1348 Seiten).

Christoph Markschies, Gottes Körper. Jüdische, christliche und pagane Gottesvorstellungen in der Antike, C.H.Beck-Verlag, München 2016.

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Erste Beispielreihe: Gott als Schöpfer

Man kann anhand der Ikonographie der Schöpfung (Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde Genesis 1,1ff.) eine Reihe bilden: Gott als gütiger älterer Mann — eine in einer Lichtergloriole aufgelöste Gottesgestalt — das Tetragramm JHWH* in einem Strahlenkranz oder in einem Dreieck (für die Trinität) — die Gottheit ist nur im natürlichen Sonnenlicht präsent.

*Tetragramm (aus griechisch vier + Buchstaben) nennt man die vier Konsonanten JHWH, die in der hebräischen Bibel tausende Male für Gott stehen; am prominentesten an der Stelle wo er dem Volk Israel die Zehn Gebote verkündet und vorher sagt »Ich bin JHWH, dein Gott (Elohim), der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe« (Exodus = 2.Mos. 20,2). Weil den Namen Gottes auszusprechen ab dem 2. Jahrhundert CE tabuisiert war und ist, wurden die vier Konsonanten in der hebräischen Schrift nicht vokalisiert; man weiß also gar nicht, wie der Name lautete. Beim Lesen der Bibel sprach und spricht man ein Ersatzwort aus. Durch Kombination der Konsonanten des Tetragramms j-h-w-h mit den Vokalen ä-o-a des Ersatzwortes ädonaj (›Herr‹) entstand im Mittelalter das (unbiblische) Jehova, das wir (allenfalls) aus Kirchenliedern kennen. Hinweis [www]

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Deus geometra

Ein frühes Beispiel ist die Darstellung von Gott als Weltenschöpfer in der Bible moralisée (ÖNB Cod. 2554) aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts)

Quelle: http://fr.wikipedia.org/wiki/Bible_moralisée_de_Vienne_2554 (<14.02.2015>; public domain)

Literatur hierzu: Friedrich Ohly, Deus geometra. Skizzen zur Geschichte einer Vorstellung von Gott [1982], wieder abgedruckt in F.O., Ausgewählte und neue Schriften, hg. U. Ruberg / D. Peil, Stuttgart/Leipzig; Hirzel, 1995, S. 555–598.

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Die Hand Gottes bei der Schöpfung

Hartmann Schedel (1440–1514) konzentriert die Gestalt des Schöpfers auf einen Handgestus. Die Hand Gottes als Synekdoche für Gott kommt biblisch oft vor, vgl. Vgl. Andreas Wagner, Artikel »Hand (AT)«, (2007), in: Lexikon Bibelwissenschaft.

Liber cronicarum cum figuris et imaginibus ab initio mundi, auctore Hartmanno Schedelio, Nürnberg: Koberger 1493. Bei Wikisource

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Der Schöpfer als Mann in zeitgenössischer Tracht

Ich lob dich schöpffer der natur
    Vnd wunder mich der Creatur/
Die du auß nichten hast gebildt
    Dabey ich brüf dein macht vnd milt/

[…]

Das Büchle Memorial, das ist ain angedänckung der Tugend / von Johannsen vonn Schwartzenberg ... mit Figuren vnd reumen gemacht, Augsburg 1534; hier nach der Auflage Anno M.D.XXXX; fol. CXXIr.

Vgl.: Lucas Cranach d. Ä. (1530): Paradies <14.02.2015>

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Gottvater mit Stahlen-Nimbus

Caij Plinij Secundi / Des furtrefflichen Hochgelehrten Alten Philosophi / Bücher und schrifften / von der Natur / art vnd eigenschafft der Creaturen oder Geschöpffe Gottes […] auß dem Latein verteutscht durch M. Johannem HEYDEN / Eifflender von Dhaun […] auß allerley andern Scribenten, damit die Beschreibung der Natur aller vermeldten Geschöpff Gottes bezeuget, vnd als gewiß erfahren für Augen gestellt wirt […] Frankfurt: Sigmund Feyerabend 1565. (Der Druckstock ist einer illustrierten Bibel entnommen, erscheint nun aber in einem ›naturkundlichen‹ Werk.)

Hermann Heinrich FREY, Therobiblia. Biblisch Thierbuch, darinne alle vierfüßige, zahme, wilde, gifftige und kriechende Thier, Vogel vnd Fisch … beschrieben sind, Leipzig 1595.

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Gott als diaphane Gestalt

Wolfgang FRANZ, Historia Animalium, In quâ plerorumqve Animalium præcipuæ proprietates … accommodantur, Editio Sexta, Wittenberg 1659.

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Das Tetragramm JHWH in einer Gloriole

Holzschnitt von Christoph Murer (1558–1614); geschnitten von Meister LFM, Formschneider; in: Novae Sacrorum Bibliorum figurae versibus Latinis et Germanicis expositae. Das ist, Newe Biblische Figuren mit Latinischen und Teutschen versen außgelegt ... / Dem gemeinen Mann und der lieben Jugendt zur anreitzung wahrer Gottseligkeit ... an tag gegeben, Durch M. Samuelem Glonerum Poetam Laureatum, Straßburg/ Getruckt bey Christoff von der Heyden. M. DC. XXV. [1625]; wiederverwendet in einer Bibel Basel: König 1701.

Johann Ulrich KRAUS (1655–1719), Historische Bilder-Bibel, welche besteht in Fünff Theil … gezeichnet und in Kupffer gestochen von Johann Ulrich Krausen, Augsburg 1705.

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Gott als Lichtstrahl

Da, so im Thier= als Pflantzen=Reich, euch alles Gottes Wunder weiset;
Ach! das ihr Gott darin nicht findet, euch Sein nicht freut, ir Ihn nicht preiset!

Herrn B[arthold] H[hinrich] BROCKES (1680–1747) Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in physicalisch- und moralischen Gedichten. Sechster Theil. Nebst einer Vorrede zum Druck befördert von E. N. Brockes, Hamburg: verlegts Christian Herold, 1740.

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… und wiederum als der bärtige Mann

Julius Schnorr von Carolsfeld (1794–1872), Die Bibel in Bildern. 240 Darstellungen, erfunden und auf Holz gezeichnet, Leipzig: Wigand 1860. Bei Wikicommons

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Zweite Beispielreihe: Der Herr erscheint dem Moses im brennenden Dornbusch (Exodus 3,1ff.)

Zürcher Bibel 1531: Gott erscheyn Mosi im brünnenden pusch/ gibt sich jm zeerkennen/ gibt jm befelch an den künig und ans volck. – Mose aber hüetet der schaf Jethro seynes schwagers des priesters in Midian/ und treib die schaaff hindersich in die wüeste/ und kam an den berg Gottes Horeb. Und der engel des HERRN erscheyn jm in einer fheürigen flammen auß dem pusch. Unnd er sahe das der pusch mit fheür bran/ und ward doch nit verzeert/ und sprach: Jch wil da hin/ und besehen diß groß gesicht/ warumb der pusch nit verbrünne. Do aber der HERr sahe/ das er hinweg gieng zuo sehen/ ruofft jm Gott auß dem pusch/ und sprach: Mose/ Mose. Er antwurtet: Hie bin ich. Er sprach: Tritt nit hiehär/ zeüch deine schuoch auß von deinen füessen/ dann das ort da du auff staast/ ist ein heilig land. Und sprach weyter: Jch bin der Gott deines vatters/ der Gott Abrahams/ der Gott Jsaacs/ und der Gott Jacobs. Und Mose verdackt sein angsicht: dann er forcht sich Gott anzesehen.

Luther 1545: MOse aber hütet der schafe Jethro seins Schwehers / des Priesters in Midian / vnd treib die Schafe enhinder in die wüsten / vnd kam an den berg Gottes Horeb. VND der Engel des HERRN erschein jm in einer fewrigen Flammen aus dem Pusch / Vnd er sahe / das der Pusch mit fewr brandte / vnd ward doch nicht verzeret / Vnd sprach / Jch wil dahin / vnd besehen dis gros Gesicht / warumb der Pusch nicht verbrennet. Da aber der HERR sahe / das er hin gieng zu sehen /rieff jm Gott aus dem Pusch / vnd sprach / Mose /Mose. Er antwortet hie bin ich. Er sprach / Trit nicht herzu / zeuch deine schuch aus von deinen Füssen /Denn der Ort / da du auffstehest / ist ein heilig land.

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Gott anthropomorph im Dornbusch

Dieric Bouts d. Ä. zugeschrieben (um 1465–1470). Zwei Szenen auf éinem Bild: Moses zieht die Schuhe aus; Gott erscheint ihm im Dornbusch. > bei Google Art Project

 

Schönsperger-Bibel 1490. (Moses erscheint gehörnt; die Vorstellung beruht auf einer falschen Übersetzung von Exodus 34,29.)

 

Die gantze Bibel / der ursprünglichen ebraischen und griechischen Waarheyt nach auffs aller treüwlichest verteütschet, Getruckt zuo Zürich bey Christoffel Froschouer, im Jar als man zalt MDXXXI (1531).

Der Holzschnitt ist ein Neuschnitt nach der Lyoner Bilderbibel von Hans Holbein d.J., die erst 1538 erschienen ist.

Digitalisat: http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5464542

 

Kupferstich von Melchior KÜSEL (1626–1683) aus: Icones Biblicae Veteris et Novi Testamenti. Figuren Biblischer Historien Alten und Neuen Testaments – Proprio aere aeri incisae, et venales expositae a Melchiore Kysel, Augustano. Impressum: Augustae Vind. anno Christiano XDCLXXIX (1679)

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Der Herr als Tetragramm im Flammenkranz

 

Jost Amman (1539–1591) / Heinrich Peter Rebenstock (1545–1591), Newe biblische Figuren, künstlich unnd artig gerissen durch ... Joss Ammann von Zürych; mit schönen teutschen Reimen, welche den gantzen Innhalt einer jeden Figur und Capitel kurtz begreiffen ... gestellt durch Herr Heinrich Peter Rebenstock, Pfarherr zu Eschershaim, Gedruckt zu Franckfurt am Mayn, mit röm. keys. mt. Freyheit: [Sigmund Feyerabend] 1579.

Digitalisat: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-28756

Biblia. Das ist alle Bücher Alts und Newes Testaments/ den ursprünglichen Sprachen nach auff das trewlichst verteutschet unnd jetzt von newem wider ubersehen …, Getruckt zuo Zürych bey Johanns Rodolff Wolffen, im Jahr 1618.

Digitalisat: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-17235

Sendung vnd beruff Gottes Wunterbahr.

Der Engel auß dem Busch brennend mit Fewerflammen/
    Uff dem Heiligen Berg berufft Mosen mit Nahmen/
Als er hüttet der Schaff zu seinem Volck jhn sendt/
    Daß er sie führte auß von dem Diensthauß Elendt.

Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebilget [sic] / an Tag gegeben durch Matthaeum MERIAN von Basel. Mit Versen vnd Reymen in dreyen Sprachen gezieret vnd erkläret. [Band 1] Straßburg/ In verlegung Lazari Zetzners Seligen Erben 1625; I, 83.

 

Biblisches Engel- u. KunstWerck: alles das jenige, Was in Heiliger Göttlicher Schrifft Altes und Neuen Testaments Von den Heiligen Engeln Gottes Dero Erscheinungen Verrichtungen Bottschafften u. Gesandtschafften, Auf mancherley Art und Weise auß Göttlicher Verordnung zu finden ist ... / Mit Fleiß zusammen getragen, in Kupffer gestochen und verlegt von Johann Ulrich Krausen Burger und Kupffer-Stechern In Augspurg — Historischer Bilder-Bibel Anderer theil in sich haltend die Abbildung der Historien des 2. 3. 4. 5. Buchs Mose, des Buchs Josuæ, des Buchs der Richter, des Buchs Ruth. … gezeichnet und in Kupffer gestochen von Johann Ulrich Kraussen, in Augspurg Anno MDCCV. (1705) Tafel 24.

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Epiphanie Gottes als reine Flamme

 

Jm feurigen Bosch der HErr erschin/
Ruft Mose: leg dein Schuh dahin:
   Dan heilig ist dis Land vnd ort/
   Beim Volk vnd Pharao thu mein wort.
   Mosis wort weißt auf Christum fort.

Tobias Stimmer, Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien/ grüntlich von Tobia Stimmer gerissen: Vnd zu Gotsförchtiger ergetzung andächtiger Hertzen mit artigen Reimen begriffen durch J. F[ischart]. G M., Zu Basel bei Thoma Gwarin 1576.


Als Mosen sich der HErr im Flammen-Busch ließ hören.
entschuhte Mose sich / das heilig Land zu ehren.
Der Ort / wo GOttes Ehr / und seiner Gnade Schein
erscheinen / muß von uns nicht unbeehret seyn.

Gantz neue Biblische Bilder-Ergötzung: Dem Alter und Der Jugend Zur Beschauung und Erbauung/ Aus dem alten Testament angestellet und mitgetheilet: Von Johann Andreæ Endters Seel. Söhnen in Nürnberg [vor 1701].

Aus dem Vorwort: Der seel. Herr Johann Jacob von Sandrart [1655–1698] ... hat davon die mehristen Risse erfunden und gezeichnet; Herr Elias Porzelius [1662–1722] ... hat solche in Holz geschnitten; und der bekannte Herr Christof Adam Negelein [1656–1701] ... hat diese Geschicht-Bilder mit Versen ... beleuchtet.

 

Zieh Moses aus den Schu und ehr den Gott der Götter
    Er mischt sich in den Brand des Feuer Pusches ein
drauf gehe hin, nach Hof, beherzter und beredter
    die Flamme wird ein Licht zu deinen Reden seyn.

Historiae celebriores Veteris (et Novi) Testamenti iconibus repraesentatae et ad excitandas bonas meditationes selectis Epigrammatibus exornatae, Nürnberg, Chr. Weigel 1712.

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Anhang: Ein Exemplum betont die Unerkennbarkeit

In seiner Neuausgabe von Cesare Ripas »Iconologia« gibt J. G. Hertel (1700–1775) den Personifikationen Szenen bei, die denselben Begriff als Exemplum wiedergeben.

Der Begriff Deitas / Gottheit wird einerseits mit dem Tetragramm in einer Gloriole veranschaulicht; die sieben zur Erde tropfenden Flammen mögen die Sieben Gaben des Heiligen Geistes bedeuten.

Dazu kommt die Illustration einer Exempel-Geschichte für die Unerkennbarkeit Gottes: Augustinus wolt ergründen, waß niemand weiß außzufinden.

Man erzählt vom Kirchenlehrer Augustinus (354–430), dass er einmal während eines Spaziergangs am Meeresufer in großer Ratlosigkeit nach einer Erklärung für die Lehre von der Trinität suchte. Da bemerkte Augustinus, wie ein kleiner Junge mit einer Muschel Wasser aus dem Meer schöpfte und es dann in ein Loch goss, das er im Sand gegraben hatte. »Was machst du denn da, mein Kind?«, fragte er ihn. Darauf sagte der Knabe: »Ich schöpfe das Meer aus und gieße es in dieses Loch.« — Variante I: Augustinus lächelte und musste sich sagen: »Das ist eine Lektion, die der Herr mich lehrt. Versuche ich nicht dasselbe?« — Variante II: Augustinus schalt den Jungen einen Narren, der aber stand auf und sagte: »Du glaubst klüger zu sein; Du meinst mit deinem Verstand die Ewigkeit begreifen zu können.«

Text bei: Joseph Klapper, Erzählungen des Mittelalters in deutscher Übersetzung und lateinischem Urtext, Breslau 1914, Nr. 23. – Im Hintergrund dürfte stehen Jesaja 40,12 Quis mensus est pugillo aquas, et cælos palmo ponderavit? (Vg.) Wer misst das Meer mit der hohlen Hand? Wer kann mit der ausgespannten Hand den Himmel vermessen? Wer misst den Staub der Erde mit einem Scheffel? Wer wiegt die Berge mit einer Waage und mit Gewichten die Hügel? (Einheitsübersetzung)

Des berühmten Italiänischen Ritters, Cæsaris Ripæ, allerleÿ Künsten, und Wissenschafften, dienlicher Sinnbildern, und Gedancken, Welchen jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. dermahliger Autor, und Verleger, Joh. Georg Hertel, in Augspurg [ca. 1760].

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Zusammen- und eingestellt von P.M. am 14. Februar 2015, ergänzt 30.5.2015, September 2016, Mai 2017.

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